FeedKonrad II. oder der Salier
GeschichteBrockhaus 1882

Konrad II. oder der Salier, König der Deutschen und röm. Kaiser (1024—39), der Sohn des fränk. Grafen Heinrich und Urenkel Konrads des Roten, wurde nach dem Erlöschen des sächs. Kaiserhauses mit Heinrichs II. (s. d.) Tode zu Kamba, Oppenheim gegenüber, im Angesicht des versammelten Heerlagers durch die Fürsten aus acht Herzogtümern einmütig zum König gewählt. Gekrönt zu Mainz und auf Karls d. Gr. Thron erhoben zu Aachen, durchzog K. sogleich nach seinem Regierungsantritt die Gauen Deutschlands, um Recht zu sprechen und die Huldigung zu empfanen. Den Landfrieden hielt er kräftig aufrecht. ls in Italien eine Partei den Versuch gemacht, die Krone dem Sohne des Herzogs von Agquitanien zu übertragen, zog K., nachdem er die Anwartschaft auf Burgund sich gesichert und seinen neunjährigen Sohn Heinrich zum Nachfolger hatte wählen lassen, 1026 über die Alpen, züchtigte die aufrührerischen Fürsten und Städte, empfing in Mailand vom Erzbischof Aribert die ital. Königskrone und ließ in Rom, wo er mit Knut d. Gr. zusammentraf, Ostern 1027 von Papst Johann XIX. sich nebst seiner Gemahlin Gisela die Kaiserkrone aufsetzen. Auch stellte er in Unteritalien die Ruhe wiider her und bestätigte die hier angesiedelten Normannen in ihrem Lehnsgebiete, als Hüter der Mark gegen die Griechen. Währenddem empörten sich mehrere Große in Deutschland, unter ihnen sein mißt, sind unter E aufzusuchen. Stiefsohn, 1 . Ernst von Schwaben. Schnell aber dämpfte K. den Aufruhr. Er setzte Herzog Ernst gefangen, zwang 1031 den König Stephan von Ungarn, welcher mit Markgraf Adalbert von Österreich Krieg führte, zum Frieden, unterwarf dann die Polen, welche die Lerdoseit des Reichs beunruhigten, der deutschen Oberhoheit, nötigte den Grafen Odo von Champagne, der indes eines Teils von Burgund sich bemächtigt hatte, seinen Rechten auf dieses Land zu entsagen, und empfing 1034 in Genf die burgund. Krone und die Huldigung der Großen. Als hierauf Odo mit den Italienern verbündet 1037 den Krieg erneuerte und in Lothringen einfiel, besiegte ihn der Herzog Gozilo in einer blutigen Schlacht bei Bar-le-Duc, in welcher Odo fiel. Gegen die Slawen, die von 1034 bis 1036 in Nordsachsen einfielen, sandte K. seinen Sohn Heinrich, der nach langer, hartnäckiger Gegenwehr derselben über die Elbe ging und ihr Land so lange verheerte, bis sie zur Erneuerung und Erhöhung des Tributs sich verstanden. Inzwischen waren auch wieder Unruhen in Italien ausgebrochen. Daher zog K. 1036 zum zweiten mal nach Italien, hielt 1037 auf der Reichsversammlung zu Pavia strenges Gericht und ließ den mächtigen Erzbischof Aribert von Mailand, der ihm den Gehorsam verweigerte, sowie später auch die Bischöfe von Vercelli, Cremona und Piacenza, die im Einverständnis mit jenem gestanden, gefangen setzen. Nachdem es jedoch Aribert gelungen, aus dem Gefängnis zu entkommen, griff Mailand zu den Waffen und verteidigte sich gegen den zu einer Belagerung nicht gerüsteten K. so tapfer, daß dieser nach 14 Tagen mit Verlust abziehen mußte. Hier, im Heerlager von Mailand, erließ K. die folgenreiche Konstitution vom 28. Mai 1037, nach welcher auch die kleinern, nicht unmittelbar vom Reiche genommenen Lehne erblich sein und ohne Richterspruch nicht entzogen werden sollten. Darauf wurde der Fürst Pandulf von Capua, einer der trotzigsten Tyrannen Italiens, seines Lehns für verlustig erklärt und der Normann Rainulf mit der Grafschaft Aversa 1038 belehnt. Auf dem Heimwege aus Italien überfiel das Heer des Kaisers infolge ungewöhnlicher Hitze eine ansteckende Krankheit. K. selbst gelangte kränklich über die Alpen zurück. Er ließ in Solothurn seinen Sohn Heinrich als König von Burgund krönen und ging dann, überall die gesetzliche Ordnung herstellend und befestigend, über Ostfranken und Sachsen nach Friesland. Als er zu Utrecht das Pfingstfest feierte, starb er 4. Juni 1039 und wurde im Dom zu Speier begraben. K. gehörte zu den tüchtigsten deutschen Kaisern. Mit fester Kraft gebot er über die Kirche und mit richtiger Einsicht nahm er sich der untern Kreise des Volks gegen die Willkür der Mächtigen an, und indem er die Herzogtümer Franken, Bayern und Schwaben in der Hand des künftigen Königs vereinigte und das verschleuderte Krongut zurückforderte, suchte er die Kaisermacht wieder zu kräftigen. Seine Gattin war die kluge Gisela, des Herzogs Hermann von Schwaben Tochter, sein Sohn und Nachfolger Heinrich III. Vgl. Mücke, «Kaiser K. II. und Heinrich III.v (Halle 1873), Breßlau, (Jahrbücher des Deutschen Reichs unter K. II.5 (2 Bde., Lpz. 1879—84).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 479Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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