Kornwucher heißt das Aufkaufen und Aufspeichern des Getreides zu dem Zwecke, bei bereits vorhandener Knappheit dieses notwendigsten Nahrungsmittels den Preis desselben noch weiter künstlich zu steigern. Solange die Verkehrsmittel ungenügend und die Zufuhr von Getreide durch Binnenzölle und andere Hindernisse erschwert war, konnte auf solche Art der Egoismus einzelner Spekulanten lokale Teuerungen und Notstände in verwerflicher Weise verschärfen. Das Vorurteil des Volks war jedoch geneigt, überhaupt jeden Kornhandel als K. zu betrachten, auch wenn er das nützliche Bestreben hatte, den überfluß der guten Ernten für schlechte Jahre aufzusparen und eine zweckmäßige Ausgleichung der Preise herbeizuführen. Bei der heutigen großartigen Entwickelung des Weltverkehrs in Getreide kann in der Kulturwelt von K. nicht mehr die Rede sein und die früher für nötig gehaltenen gesetzlichen Schutzmaßregeln gegen denselben sind längst hinfällig geworden. (S. Getreidegesetzghebung, Getreidehandel.)