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GeschichteBrockhaus 1882

Kriegervereine, Vereinigungen ausgedienter Soldaten jeden Grades, entstanden im ganzen Deutschen Reiche zahlreich auf Grund der Waffenbrüderschaft der Kämpfe, welche zur Gründung des Reichs führten, besonders des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871, nachdem es schon seit dem dritten Jahrzehnt des 19. Jahrh. in Preußen, Sachsen und Bayern Militärbegräbnisvereine gegeben hatte. In Bayern werden die K. meist Veteranen⸗, in der Pfalz, in Oldenburg und in Schleswig-Holstein meist Kampfgenossenvereine genannt und heißen sonst auch noch Landwehr⸗ oder Militärvereine. Zweck der K. ist, das in heißen Kämpfen schwer Errungene festzuhalten, Treue zu Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland zu pflegen, gute Kameradschaft zu halten und diese durch Unterstützung armer Kameraden und ihrer Hinterbliebenen zu bethätigen. Seit 1873 schritt man zur Bildung größerer Kriegerverbände. Länderverbände gibt es in Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, Oldenburg, Mecklenburg, Braunschweig u. s. w. Etwa die Hälfte der norddeutschen Kriegervereine, welche sich überhaupt Verbänden angeschlossen haben, gehören zu dem «Deutschen Kriegerbundes. Auf dem Kriegerkongreß zu Frankfurt a. M. (1883) wurde der «Deutsche Kriegerverbando gegründet, welcher auf einfacher Grundlage möglichst alle Verbände unter dem Protektorat des Kaisers vereinigen soll. Die Gesamtzahl der im Deutschen Reiche bestehenden K. wird auf 9—10000 mit etwa 800000 Mitgliedern geschätzt. Religiöse und polit. Erörterungen sind in den Vereinsversammlungen grundsätzlich ausgeschlossen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 611Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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