FeedKropf
Haus & KücheBrockhaus 1882

Kropf (Ingluvies) nennt man in der Zoologie die sackartige, mit eigenartigen Drüsen versehene Erweiterung der Speiseröhre, welche besonders den Hühnern, Tauben, Papageien und Tagraubvögeln eigen ist, unter den übrigen Vögeln aber nur bei einzelnen Gattungen gefunden wird. Im K. erweicht das Futter durch Aufquellen, bevor es in den Muskelmagen gelangt. Während der Brütezeit sondert der K. eine breiige, milchige Masse ab, die zur Ernährung der Jungen verwendet wird. Beim Menschen nennt man K. im gewöhnlichen Leben jede Anschwellung an der vordern Seite des Halses. Doch bezeichnet die Pathologie eine solche Anschwellung nurdann mit dem Namen K. (Struma), wenn sie von einer dauernden Vergrößerung der die Luftröhre nach vorn und seitlich bedeckenden Schilddrüse (s. d.) herrührt. Von den verschiedenen Arten des K. sind folgende drei die bemerkenswertesten. Der Gefäßkropf (Struma vasculosa) ist ausgezeichnet durch bedeutende Erweiterung der in der Geschwulst sich verzweigenden Gefäße. Der gelatinöse Kropf (Struma gelatinosa), die am häufigsten beobachtete Art, entsteht durch Neubildung von Drüsengewebe und Umwandlung des normalen Inhalts der Drüsenbläschen in eine gelbliche, mattglänzende, gallertartige (sog. colloide) Substanz und stellt sich in vielen verschiedenen Formen dar, je nachdem nur ein einzelner Lappen oder die ganze Drüse ergriffen ist. Der Cystenkropf (Struma cystica) entsteht durch Zusammenfließen der erweiterten Drüsenbläschen zu größern Blasen, von denen meist eine einen größern Umfang hat. „Die Ursachen des K. sind nicht bekannt. Er ist in manchen Gebirgsgegenden endemisch, ohne daß man den Grund davon aus der Beschaffenheit des Bodens, der Luft und des Wassers, wie bisher oft geschehen, mit unbezweifeltem Rechte herleiten könnte. Bei Männern findet man ihn seltener als bei Frauen; auch findet man ihn oft bei Kretinen J. d.). Bisweilen ist der K. angeboren. In der Regel entsteht er in jüngern Lebensjahren und nimmt bis zu den mittlern Jahren allmählich an t Umfang zu. Auch heftige Anstrengungen, das Tragen schwerer Lasten auf dem Kopfe, Schreien, Husten, Niesen, Geburtsarbeit u. s. w. sollen ihn häufig hervorrufen oder ihn wenigstens, nachdem er schon eine Zeit lang in der Tiefe des Halses verborgen lag, hervortreiben. Meist ist der K. ohne Schmerzen und vergrößert sich langsam ohne eigentliche Beschwerde und ohne die Funktionen zu stören. Zuweilen jedoch gibt er durch Druck auf die Luftwege oder Schlingorgane oder Gefäßstämme ein erhebliches Hindernis des Atmens, Schlingens und des Kreislaufs ab. Auch verbindet sich leicht damit allgemeine Blutarmut und eine charakteristische Hervortreibung des Augapfels (s. Exophthalmus) oder der K. geht in eine wegen der Lage des Organs gefährliche Entzündung über. Wird der K. sogleich bei seiner Entstehung bekämpft, so gelingt es oft, ihn zu heilen. Als Hauptmittel wendet man besonders das Jod an, welches auch der wirksame 6. 5. 8e vieler ehedem gebräuchlicher Kropfmittel (z. B. des gebrannten Meerschwamms, der Schwammsteinchen, der Seetange wie der heilbronner Adelheidsquelle) ist. Das Jod wird entweder aufgepinselt, oder das Jodkalium innerlich genommen, oder als Jodlösung direkt in die Drüsensubstanz eingespritzt. Erreichen die durch den K. hervorgerufenen Beschwerden einen bedrohlichen Grad, und bringen Jodmittel keine Hilfe mehr, so muß man zur operativen Beseitigung des K. seine Zuflucht nehmen. Bei Cystenkröpfen reicht gewöhnlich die Eröffnung und Entleerung des Balges aus. Andere Kropfformen erfordern die Ausschälung oder Exstirpation der Geschwulst, eine große und sehr schwierige Operation, welche in der neuesten Zeit vielfach mit bestem Erfolg ausgeführt ist. Ein K. kann auch der Sitz einer bösartigen (carcinomatösen oder sarcomatösen) Geschwulst werden. Dann vergrößert er sich schnell und ruft bedeutende, namentlich Schlingbeschwerden hervor. Helfen kann hier nur die Exstirpation.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 634Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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