Kunstgeschichte ist die wissenschaftliche Darstellung des Ursprungs und der Entwickelung der Kunst, namentlich der bildenden Künste. Sie ist ebenso wie die wissenschaftliche Litteraturgeschichte erst ein Erzeugnis der neuern Zeit. Zwar enthalten die Schriften der Alten, wie insbesondere die Naturgeschichte von Plinius und die Reisebeschreibung von Pausanias, viele Mitteilungen über den Gang der alten Kunst und über das Leben und die Persönlichkeiten der alten Künstler, aber es ist eine rein äußerliche Aufzählung der Künstlernamen und der vorhandenen Kunstdenkmale, ohne Einsicht in die innere Notwendigkeit und Folgerichtigkeit der künstlerischen Entwickelung und in die Eigentümlichkeit mißt, sind unter C aufzusuchen. der verschiedenen Schulen und Epochen. Die Schriftsteller des Mittelalters geben einzelne Mitteilungen über ausgeführte Werke, vornehmlich der Baukunst; aber eine eigentlich geschichtliche Betrachtung liegt ihnen durchaus fern. Auch die Schriftsteller des 16. und 17. Jahrh., die selbst wieder im regsten Kunstleben standen, beschränken sich in der Betrachtung ihrer großen künstlerischen Zeitgenossen nur auf das Biographische (wie z. B. die vortrefflichen Künstlerbiographien von Vasari), und zur Kunst der Alten, zu welcher das Zeitalter der Renaissance (s. d.) ein weit näheres und lebendigeres Verhältnis hatte als zur Kunst des Mittelalters, nehmen sie entweder den ausschließlich künstlerischen Standpunkt ein, d. h. betrachten sie nur als Vorbild zur Bildung und Läuterung der eigenen Kunstubung, oder geben bloß Verzeichnisse des vorhandenen Denkmälervorrats. Der Begründer der wissenschaftlichen K. wurde erst Johann Joachim Winckelmann mit seiner Geschichte der Kunst des Altertumsv, welche 1764 erschien. Aus dieser bedeutenden Anregung Winckelmanns ging zunächst die Wissenschaft der Archäologie (s. d.) hervor. Nachdem sich aber im Anfang des 19. Jahrh. insbesondere die deutsche Kunst aus der einseitig antikisierenden Richtung, welche eine Zeit lang das gesamte Kunstleben beherrscht hatte, befreit und sich wieder einer gerechtern Anerkennung auch der mittelalterlichen Kunst zugewendet hatte, griff die Einwirkung Winckelmanns auch auf die Behandlung der mittelalterlichen und neuern K. hinüber. C. F. von Rumohrs K«Ital. Forschungend (1827), obwohl sie an den tiefen geschichtlichen Blick Winckelmanns nicht hinanreichen, haben für die Behandlung der mittelalterlichen und neuern K. fast dieselbe begründende Bedeutung wie Winckelmann für die Behandlung der alten K. Seitdem ist in der K. große Regsamkeit. Monographie drängt sich an Monographie, Handbuch an Handbuch. War die ital. Kunst eine Zeit lang bevorzugt worden, so wendet sich jetzt die Forschung besonders auch der deutschen und niederländ. Kunst zu, und nicht minder rüstig treten jetzt auch die Franzosen und Engländer mit Forschungen über ihre mittelalterlich volkstümliche Kunst ein. Dazu ist noch eine sehr wesentliche Erweiterung von anderer Seite gekommen. Seit den vierziger Jahren hat man namentlich durch Lepsius eine viel umfänglichere Kenntnis des ägypt. Kunstlebens gewonnen, und seit derselben Zeit ist durch Layards und Bottas Ausgrabungen in Assyrien und Persien eine völlig neue Welt erschlossen worden. Hierzu kommen die alten Funde zu Olympia, zu Pergamos. Ebenso treten uns von Tage zu Tage die Kunstanfänge der altamerik. Völkerschaften näher, ja schon hat sich eine prähistor. Archäologie, die Erforschung der Kunstdenkmale vorgeschichtlicher Zeiten, gebildet. Auf Grund dieses weiten und tiefen Umblicks hat sich die K. zu einer der wichtigsten Geschichtswissenschaften, zu einem sehr umfassenden und integrierenden Teile der allgemeinen Kulturgeschichte erhoben, und die wissenschaftliche uleurder K. hat vor allem darauf zu achten, diese kulturgeschichtliche Grundlage und Bedeutung der K. immer schärfer und schärfer hervorzuheben. Zur übersicht des weitschichtigen Materials sind am zweckdienlichsten die Handbücher von Kugler, Schnaase, Lübke, Springer und Carriere. Vgl. noch Eitelberger von Edelberg. Quellenschriften für K. und Kunsttechniko (Wien 1871 fg). Die K. wird in Deutschland auch in mehreren Zeitschriften gepflegt: Zeitschrift für bildende K.r (herausg. von Lützow, Lpz. 1866 fg.), Repertorium für Kunstwissenschafto herausg. von Janitschek, Stuttg. 1875 fg.) u. a. „Kunstgestänge, die zur Fortpflanzung oder Übertragung von Kraft oder Bewegung dienenden aneinandergefügten, aus Holz oder Eisen bestehenden Stangenverbindungen, an welchen die Pumpen angeschlossen sind. unstgewerbe und Kunstindustrie sind seit dem sechsten Jahrzehnt des 19. Jahrh. vielgebrauchte Wörter geworden. Man bezeichnet damit im allgemeinen die Verbindung der Kunst mit dem Gewerbe. Im Mittelalter gab es keine Scheidung zwischen Kunst und Gewerbe und die Künstler gehörten der Zunft an. Seitdem haben sich beide getrennt und unterscheiden sich darin, daß die Kunst sich selber Zweck ist und Gegenstände schafft, die ihren Zweck wie ihre Bestimmung in der eigenen Schönheit tragen: was aber das Gewerbe hervorbringt, dient einem Gebrauche, einer außenliegenden Bestimmung. Nun gibt es Gegenstände, welche dem Gebrauche dienen, als Geräte oder Gefäße, und zugleich durch schöne Form, durch Verzierung dem ästhetischen Gefühl und Bedürfnis genügen sollen. Sie gehören dem einen, dem Gewerbe, an und haben teil an dem andern, der Kunst. Sie sind also kunstgewerbliche Gegenstände und ihre Fabrikation ist Kunstgewerbe oder Kunstindustrie. Nachdem diese Gegenstände lange Zeit sich nach der gewerblichen Seite, d. h. in Bezug auf ihre Zweckmäßigkeit, vielfach vervollkommneten, nach ihrer ästhetischen aber vernachlässigt wurden, erkannten zuerst engl. Kunstfreunde während der londoner Ausstellung von 1851, daß die engl. Fabrikate, was die ästhetische Seite betrifft, hinter den französischen zurückständen. Wollte man nun den Kampf mit der franz. Kunstindustrie aufnehmen, so mußte man einerseits erfindende Künstler und geschickte Kunstarbeiter zu bilden und andererseits den Kunstgeschmack selbst zu heben suchen. Das erstere war durch eine Reihe von Kunst⸗ und Zeichenschulen zu erreichen, das zweite durch ein Museum musterhafter Kunstindustriegegenstände in Verbindung mit Lehre durch Vorträge und Schriften. Diese Gedanken führten zur Gründung des South-Kensington-Museums in London und zahlreicher mit demselben in Verbindung stehender Zeichenschulen. Kleinere Museen schlossen sich daran, und so begann in England ein neues Leben auf dem kunstgewerblichen Gebiete. Schon auf der zweiten londoner Ausstellung von 1862 konnte man nicht unbedeutende Folgen sehen, indem, anknüpfend an ältere Kunsterzeugnisse, ganz neue Industriezweige entstanden waren. Auf der pariser Ausstellung von 1867 trat die engl. Kunstindustrie bereits der französischen, wenn auch nicht an Ausdehnung, doch an Gehalt als eine ebenbürtige und zugleich eine ganz eigenartige entgegen. Es wurde zugleich der Nachweis geliefert, daß der Import kunstgewerblicher Gegenstände nach England verringert, dagegen der Export sich in einem bedeutenden Grade gehoben hatte. Das Beispiel Englands erweckte die Nachfolge in Osterreich. Bereits mit Anfang Mai 1864 wurde das Ssterreichische Museum für Kunst und Industrie eröffnet. Das junge Institut repräsentierte alsbald eine bestimmte Kunstrichtung, die man im allgemeinen als die stilistische bezeichnen mißt, sind unter C aufzusuchen. kann; es betonte die Prinzipien und Gesetze in der Kunst und im Geschmack gegenüber der franz. Willkür. Diese Richtung wurde in ausgebreiteter litterarisch publizistischer und artistischer Thätigkeit verfochten und fand alsbald eine besondere Stütze an der Kunstgewerbeschule, die einige Jahre später in Verbindung mit dem Museum auf Staatskosten gegründet wurde. Die Erfolge dieser Bestrebungen zeigten sich bei den Ausstellungen zu Wien 1871 und 1873, zu München und Philadelphia 1876, Die litterarische Thätigkeit, welche insbesondere (vor allem durch Falke vertreten) vom Osterreichischen Museum ausging, erweckte eine ähnliche reformatorische Bewegung auch in den übrigen Ländern. In Rußland z. B. wurden Museen und mit ihnen Schulen in Petersburg und Moskau gegründet und anderswo vermehrte man die Zeichenschulen. In Deutschland ging Berlin voran, wo ein Verein von Privaten 1867 das Deutsche Gewerbemuseum gründete. In Hamburg, Leipzig, Köln, Offenbach, Karlsruhe gewannen die Bestrebungen je nach Verhältnis der Mittel verschiedene Gestalt. Von Stuttgart aus wirkte die Kunstzeitschrift «Gewerbehaller. Eine ähnliche Zeitschrift: „Blätter für Kunstindustriev, erscheint seit Anfang 1872 in Wien; daneben wirken die Mitteilungen des Ssterreichischen Museumsv und,‚, früher in Weimar, jetzt in Nürnberg, Stegmanns Zeitschrift cKunst und Gewerber. In München hat sich das Bayrische Nationalmuseum kunstindustriellen Zwecken geöffnet; das Bayrische Gewerbemuseum in Nürnberg enthält eine treffliche Mustersammlung und permanente Ausstellung kunstgewerblicher Gegenstände. In jüngster Zeit hat die kunstgewerbliche Bewegung einen weitern Schritt in Deutschland und Ssterreich gethan, indem sich kunstgewerbliche Vereine gebildet haben, teils zur Unterstützung der Schulen und Museen, teils zur Gründung permanenter Ausstellungshallen, überhaupt zur Förderung auch der geschäftlichen Seite. Vgl. Schwabe, Die Förderung der Kunstindustrie in England und der Stand dieser Frage in Deutschland (Berl. 1866); Bucher, (Geschichte der technischen Künster (Bd. 1—2, Stuttg. 1876—77); derselbe, «Die Kunst im Handwerky (2. Aufl., Wien 1876); J. von Falke, «Asthetik des Kunstgewerbesv (Stuttg. 1883).