Lais, wohl von dem kelt. Laidh, d. i. Vers oder Lied, war im Altfranzösischen, wie gegenwärtig Lays im Englischen, eine allgemeine Bezeichnung für Lieder und für musikalische Weisen. Daneben verstand man auch darunter Volkslieder und Weisen von volksmäßigem Charakter und setzte die L. meist den Chansons oder Kunstliedern entgegen. So hießen in der altfranz. oder mittelengl. Poesie L. und Lays auch erzählende Gedichte, die auf Volkslieder und Volksballaden gegründet waren, besonders wenn sie bretonische Volkssagen behandelten. In der Terminologie der Trouveres und noch der franz. Kunstdichter des 14. und 15. Jahrh. wurden durch L. auch rein lyrische Lieder bezeichnet, die von der Form der eigentlichen Kunstlieder darin abwichen, daß sie einen ungleichmäßigen Strophenbau und wechselnde Melodie hatten. Deshalb übersetzten auch die mittelhochdeutschen Dichter L. durch Leiche (s. d.); beide Dichtungsgattungen waren formell ähnlich, weil aus der Volkspoesie hervorgegangen und nach gemeinsamen Vorbildern, den volksmäßigen Kirchenliedern, gebildet. Vgl. Wolf, aüber die L., Sequenzen und Leiches (Heidelb. 1841).