Leich ist ein altdeutsches Wort (got. laikan, springen, laiks, Tanz), das ursprünglich Spiel, gespielte Melodie, Gesang überhaupt bedeutete, dann aber im Gegensatz gegen das eigentliche Lied gebraucht wurde, ebenso wie im Französischen Lais (s. d.) im Gegensatz gegen chanson und im Latein des Mittelalters modus, chorus, psalmus im Gegensatz gegen hymnus oder carmen. Die Form des L. in dieser Bedeutung wurde schon in die althochdeutsche Poesie nach dem Muster der Sequenzen des lat. Kirchengesangs, d. h. der Texte, die man im 9. Jahrh. den früher textlosen Modulationen der Jubilation des Halleluja unterzulegen anfing, eingeführt; sie wurde auch von den mittelhochdeutschen Dichtern aufgenommen und ausgebildet, kam aber im 14. Jahrh. mehr und mehr außer Gebrauch. Während das eigentliche Lied eine und dieselbe Strophenform durchweg festhält, bestehen die der Melodie untergeordneten L., die durchkomponiert waren, aus verschiedenen, in Zahl der Zeilen, Reime und Silben voneinander unabhängigen Systemen oder Reimreihen, in welchen ebensowohl wie in ihren Unterabteilungen oder Reimsätzen die durch die Wiederholung der Melodiesätze bedingte Zweiteiligkeit vorherrscht. Ursprünglich und vorzüglich waren die L. religiösen Inhalts; doch erscheint ihre Form auch frühzeitig für Gedichte weltlichen Inhalts angewendet, namentlich für Lob- und Klaggesänge, dann auch für Liebesgedichte. Auch die Reihen und Tänze, die im 13. Jahrh. in der mittelhochdeutschen Poesie aufkamen, unterschieden von den eigentlichen Tanzliedern, sind in der Leichform gedichtet. Vgl. Lachmann, «lüber die L. der deutschen Dichter des 12. und 13. Jahrh. v im Rhein. Museumo (1829); Wolf, aüber die Lais, Sequenzen Und L.v (Heidelb. 1841).