Landschaftsmalerei heißt die bildliche Darstellung der vegetativen und unorganischen Natur in einem geschlossenen Ganzen. Wie die Figurenbilder in Historie und Genre, so teilt man die Landschaften nach der zu Grunde liegenden Auffassung in historische oder heroische und in Veduten ein. Bei ersterer ist wesentlich die Anordnung der Einzelheiten nach den Gesetzen histor. Kunst und ihre Durchbildung zum prägnanten Ausdruck (Stil), während die letztere nur treues Abbild einer vorgefundenen Wirklichkeit (Porträt) sein will; die Stimmung ist demgemäß bei jener dramatisch, bei dieser lyrisch, das figürliche Beiwerk (Staffage) dort bedeutend und ausdrucksvoll, hier nur erläuternd und schmückend. Die griech. Malerei behandelte die Landschaft symbolisch; so wurde statt des Bergs der Berggott, statt der Quelle der Quellgott oder eine Nymphe abgebildet. Erst bei den Römern tritt ein leiser Anlauf zur L. ein, jene kleinen Ansichten von Gebäuden mit Umgebung, welche unter so mannigfaltigen andern Gegenständen die Wände belebten. Im Mittelalter fand sich die Landschaft zuerst an Stelle des Goldgrundes in der biblischen Historie ein. Diesen großen Schritt in die Realität thaten die Brüder van Eyck in Flandern. Ihnen folgte bald auch die rhein. und oberdeutsche Schule. Schon zu Anfang des 16. Jahrh. war diese landschaftliche Kunst in der Schule zu Brabant so ausgebildet, daß Joach. Patenier und Herri de Bles sie abgesondert, ohne wesentlichen epischen Vordergrund, zu behandeln wagten. In Italien beginnt der landschaftliche Hintergrund ein selbständigeres Leben in der umbrischen und venet. Schule. Zu freierer Anmut gereift erscheint er zuerst bei Giov. Bellini, Lionardo da Vinci und besonders bei Giorgione. Der erste, der die Landschaft als etwas Wesentliches behandelte, war Tizian. Der stärkste Anstoß zur eigentlichen Ausbildung der L. aber ging von den Niederlanden aus, wo zu Ende des 16. Jahrh. Peter Breughel und seine Söhne das bunte Allerlei der frühern Landschaft verließen und dafür die Grundzüge einer einheitlichern Komposition schufen. Auch findet sich bei ihnen eine Andeutung des Baumschlags, der von den Brüdern van Eyck zwar schon in bedeutender Ausbildung angewendet, später aber wieder pöllig vernachlässigt worden war. Noch vollendeter arbeiteten die übrigen brabant. Landschaftsmaler Roland Savery, D. Vinckebooms, Ägid. Hondekoeter, Jodocus de Momper. Gleichzeitig aber hatte sich in Rom eine Schule deutscher und franz. Künstler gebildet, durch welche die L. zu höchster Vollkommenheit gedeihen sollte. Angeregt von Annibale Caracci schufen Paul Bril (gest. 1626) und Adam Elzheimer (gest. 1620) Landschaften, in welchen, wie bei jenem mehr das Element der Form, die bedeutsame Komposition vorwog. Bis zu einer Wissenschaft der landschaftlichen Massen und Linien bildeten Nic. Poussin (gest. 1665) und sein Schwager und Schüler, Kasp. Dughet, genannt Poussin, dieses Prinzip weiter. Den höchsten Reiz der Farbe und Beleuchtung fügte Claude Lorrain (gest. 1682) hinzu. Gegenüber dieser sog. klassischen L. steht etwas vereinzelt der phantastisch-naturalistische Salvator Rosa, in anderm Sinne die niederländische L. des 17. Jahrh. Zwar erscheinen H. Swanevelt, Joh. Both, Ad. Pynacker und H. Saftleeven noch mehr oder weniger von der Schule Poussins oder der sog. Römischen Schule abhängig; andere dagegen, zumal Holländer, treten derselben mit einer nicht minder berechtigten, oft auch schlicht-naturalistischen, aber gewaltigen und hochpoetischen Auffassung entgegen. A. van der Neer, A. Waterloo und im höchsten Sinne Jak. Ruysdael (gest. 1681) repräsentieren diese Richtung, welcher auch A, van Cverdingen beizuzählen ist. Im 18. Jahrh., bei der Wiedergeburt der Kunst, erhob sich zuerst in Deutschland die L. in teils naturalistischem, auf die Vedute gerichtetem Sinne (Weitsch, Hackert und Kobell), teils in idealisierender Richtung. Letztere, in Rom mit Anlehnung an Poussin gepflegt, vertrat neben Chr. Reinhardt vorzüglich Jos. Anton Koch, dessen originelles Schaffen zahlreiche jüngere Deutsche auf gleichen Weg lenkte, unter ihnen besonders C. Fohr, Horny, E. Fries, sodann Preller. Der Klassiter der Franzosen ist Valenciennes; er lehnte sich in strengem Stil an Claude und Poussin. Fast alle Landschaftsmaler der Napoleonischen Zeit waren seine Schüler. Der Meister in der L. bei den Engländern ist R. Wilson, dessen Nachahmung Claudes noch strikter erscheint. Der romantische Gegenschlag wurde von Ratur rich in Dresden eingeleitet. Er machte die Natur zur Trägerin ahnungs⸗ und wehmutsvoller Empfindungen und legte das Gewicht auf den Ausdruck. Seiner Richtung folgte Lessing, welcher der düsseldorfer Landschaftsschule voranging, zu deren Hauptrepräsentanten außer ihm Joh. Wilh. Schirmer zählt; dieser pflegte besonders das Gebiet der biblischen Landschaften, während Andreas und Oswald Achenbach, Scheins, Michelis und A. Weber die vedutenartige Auffassung zu individueller Wirkung steigern. Zu den Düsseldorfern gehört auch, obgleich Norweger von Geburt, H. Gude. In der münchener Schule eröffnete Rottmann den Reigen. Er malte in großartiger Auffassung seine mehr im Charakter der Vedute als der stilistischen Komposition gehaltenen griech. Landschaften. Neben und nach ihm zeichneten sich aus Charles Roß, Fries, Albert Zimmermann. Zu den Stimmungslandschaftern gehören Etzdorf, Schleich, Heinlein, Max Zimmermann, Zwengauer u. v. a.; Löffler schildert den Orient. Bei den Landschaftsmalern Berlins herrscht kein bestimmter Charakter vor. Durch Gropius' Dioramen wurde Schinkel auf die histor.⸗ romantische Landschaft im dekorativen Sinne geleitet. W. Schirmer folgte dieser Richtung mit zunehmender Vervollkommnung des Lichtelements, Blechen regte durch seine reizvollen Veduten besonders zum intimen Studium des Vegetationslebens an. C. Hoguet entnahm seine Motive vorzugsweise der Normandie, Max Schmidt der Natur Pape der schweiz. Welt, E. Hildebrandt erstreckte seine Studien über die ganze Erde und ging in seinen Bildern besonders auf starke Effekte aus. Riefstahl, mit Vorliebe der Alpennatur zugewandt, wirkt namentlich durch poetischen Zusammenklang der Landschaft mit idyllischer Staffage. In Weimar trat, von J. Koch in Rom angeregt, der geniale Preller mit seinen nordischen und besonders den stilvollen Odysseelandschaften auf, Graf Kalckreuth kultivierte die Hochgebirgsnatur. In Dresden begründete Ludwig Richter eine idealistische Richtung der L., welcher namentlich H. Gärtner im historischen, Franz Dreber mehr im idyllischen Sinne gefolgt sind. In Ssterreich vertraten Gauermann, Hansch, Habanska, Waldmüller die heimische Landschaft in realistischer Auffassung, der Ungar Marko die ideale im Sinne Claude Lorrains. Neuestens sind zu nennen Hans Ludw. Fischer und Leop. Müller für den Orient, ferner Robert Ruß, Aug. Schäffer, Darnaut, Hlavatschek u. a. Die neuere franz. Schule ist überwiegend naturalistisch. Doch hat sie in Paul Flandrin, Cabat, Aligny, Corot auch Vertreter der idealen Stilland—⸗ schaft. Unter den Naturalisten gelten Th. Rousseau, Frangais, Busson, Dubré, Daubigny für die hervorragendsten. In Genf gründeten Calame und Diday, welche sich durch Großartigkeit und Gediegenheit der Auffassung hervorthaten, eine Schule. England besaß in Turner das vielseitigste Landschaftsgenie, das von der ursprünglichen entschiedenen Anlehnung an Claude durch alle Darstellungsgebiete und Vortragsarten hindurch bis ur Anstrebung des fast Unmöglichen in Bezug auf Farbenmusit vordrang. Constable dagegen ist ein treuer Schilderer der engl. feuchten Feld⸗ und Waldnatur, Bonnigton versuchte sich an südl. Schilderungen. Ihre eigentliche Stärke hat die englische L. in der Aquarellmalerei (s. d.). Die Niederländer sind immer Naturalisten geblieben. Unter den Belgiern sind Clay, Kindermann, Quinaux, Robbe hervorzuheben; bei den Holländern steht Koekkoek voran. Letztere lieben es noch immer, sich zu Spezialisten auszubilden, wie Schotel, Shelfhout (Marine), van Haanen und Koekkoek der Jüngere (Schnee), Verveer (Mondschein) u. s. w. Unter den Dänen nimmt Dahl die erste Stelle ein. Nächst ihm sind Skovgaard, Sörensen, Rump zu nennen. Außer den einschlagenden Partien in den Handbüchern der Ästhetik vgl. Carus, Neun Briefe über die L.» (Lpz. 1831); Schnaase, Niederländ. Briefey (Stuttg. 1835).