FeedGiordäno (Lucg)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Giordäno (Lucg), ital. Maler, geb. zu Neapel 1632, hatte zuerst Spagnoletto, dann in Rom Pietro da Cortona zum Lehrer, dem er bei seinen großen Arbeiten half. Später gewannen die Werke des Paolo Veronese großen Einfluß auf ihn. Er ahmte die berühmtesten Maler mit einer solchen Vollkommenheit nach, daß selbst Kenner dadurch getäuscht wurden. Wegen der Schnelligkeit, mit welcher er insbesondere auf Antrieb seines eigennützigen Vaters malte, erhielt er den Beinamen Luca fa presto. Das große Altarblatt bei den Jesuiten zu Neapel (Franciscus Xaverius, der die Japaneser tauft) soll er binnen 36 Stunden vollendet haben. Er war an Erfindung reich und mit der Perspektive gründlich vertraut, sein Kolorit sanft und harmonisch und sein Pinsel frei und fest. Wunderbar war seine Fertigkeit, die Manieren der verschiedensten Meister anzunehmen, weshalb man ihm auch den Beinamen Proteus beilegte. Aber ihm fehlte vorerst die Intensivität der Charakteristik, und er bewegte Rch meist innerhalb weniger Charaktertypen, welche in allen seinen Bildern wiederkehren. Sodann verführte ihn seine leichte Hand zu großer Nachlässigkeit in Komposition und Ausführung. Allerdings aber war er in seiner guten Zeit der Mann, die Paläste ital. und span. Großen rasch mit großen Fresken und Ölbildern 55 schmücken und ohne Prätension auf höhern Stil die langen Wände zu füllen. Luca kannte die wahren Gesetze der Kunst recht wohl zeichnete auch sehr richtig, trieb aber Mißbrauch mit seinem eminenten Talent. Seine ersten Schöpfungen (wie die Deckenfresken der Sakristei von San-Martino u. a.) stehen bei weitem höher als seine eilfertig gemalten Sachen. Er folgte 1679 einem Rufe König Karls II. nach Spanien, wo er das Escorial mit nicht weniger als neun Kuppelgemälden zierte und die Gunst des Königs in hohem Grade erwarb. Aber so vollendet, wahr und im anzen groß und hinreißend seine Arbeiten in Sanorenzo del Escorial waren, trug er doch zum Verfall der Kunst in Spanien vieles bei. Nach dem Tode Karls II. ging er, alt und reich geworden, in sein Vaterland zurück, fand noch an Clemens XI. in Rom einen Gönner und starb in Neapel 4. Jan. 1705. Nächst dem Escorial haben Rom und Florenz Fresken von ihm aufzuweisen. Seine zahllosen Gemälde sind fast überall zu finden. Zu den vorzüglichsten gehören: der Cyklus aus dem Marienleben und der gigantische Engelsturz im wiener Belvedere, die Samariterin am Brunnen und der bethlehemitische Kindermord in der Pinakothek zu München, Susanna im Bade in Dresden, das Parisurteil im berliner Museum, Venus und Mars im Louvre, die Entführung der Europa in der Eremi1. in Petersburg, eine Pietd im Museo nazionale in Neapel. Die besten und berühmtesten Kupferstecher haben nach ihm gestochen; auch er selbst hat mit leichter, geistreicher Nadel gearbeitet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 48Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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