FeedLannes (Jean)
GeschichteBrockhaus 1882

Lannes (Jean), Herzog von Montebello, franz. Marschall, geb. zu Lectoure im Depart. Gers 11. April 1769, ging zu einem Färber in die Lehre, trat aber 1792 in die Armee und stieg bis 1795 schon zum Obersten und Brigadekommandeur auf. Nach dem Frieden von Basel durch einen Volksrepräsentanten als unfähig bezeichnet, wurde er jedoch entlassen. Er ging 1796 als Freiwilliger zur Armee von Italien und erregte bald die Aufmerksamkeit Bonapartes, der ihm für Montenotte und Millesimo den Grad eines Obersten zurückgab. Bei allen Gelegenheiten, unter anderm bei Lodi und Bassano, vor Mantua, bei Arcole zeichnete er sich aus und wurde für den Sturm auf Pavia zum Brigadegeneral ernannt. Er war bei dem Korps, das gegen den Kirchenstaat marschierte, und schloß auch den Frieden mit dem Papst ab. Im J. 1798 ging er mit Bonaparte nach Agypten, führte eine Brigade in der Division Klebers und entarve namentlich den Sieg bei Abukir, wo er schwer verwundet wurde. Nachdem er mit dem Obergeneral nach Frankreich zurückgekehrt, leistete er diesem die wichtigsten Dienste am 18. Brumaire und erhielt dann den Befehl über die 9. und 10. Militärdivision zu Toulouse, bald nachher (1800) den über die Konsulargarde. Im Feldzuge desselben Jahres führte er Bonapartes Vorhut über den St. Bernhard und schlug den Feind 9. Juni bei Montebello. In der Schlacht von Marengo befehligte er zwei Divisionen. Nach dem Frieden 1801 ging er als Gesandter nach Lissabon, und bei Errichtung des Kaiserthrons wurde er zum Marschall und 19. Mai 1804 zum Herzog von Montebello erhoben. Im J. 1805 Angps er im Feldzuge gegen Österreich den Befehl über das 5. Korps, das er 16. Okt. bei Hollabrunn ruhmvoll führte. Bei Austerlitz 2. Dez. 1805 befehligte er den linken Flügel. L. verfolgte die Russen und besetzte nach dem Waffenstillstande vom 7. Dez. Mähren. Im Feldzuge von 1806 gegen Preußen befehligte er das 5. Korps, siegte 10. Okt. bei Saalfeld, eröffnete 14. Okt. im Centrum die Schlacht bei *5 und nahm am 21. die Festung Spandau. zei Pultusk 26. Dez. schwer verwundet, kam er erst im Mai 1807 wieder zur Armee und bildete in Marienburg ein Reservekorps zur Unterstützung Lefebvres, welcher Danzig belagerte. Nach der Kapitulation der Festung kämpfte er 10. Juni bei Heilsberg und am 14. bei Friedland. Nach dem Kongreß von Erfurt begleitete er den Kaiser 1808 nach Spanien, wo er 22. Nov. Castanos bei Tudela schlug und dann die berühmte Belagerung von Saragossa unternahm. Im Kriege von 1809 gegen Ssterreich befehligte er zwei Divisionen in den Gefechten vom 19. bis 23. April (die sog. Schlacht von Regensburg). An der Spitze der Vorhut zog er sodann auf Wien und rückte daselbst nach einer zweitägigen Beschießung 13. Mai ein. In der Schlacht bei Aspern und Eßling (s. d.) führte er den Befehl im Centrum. Hier zerschmetterte ihm 22. Mai eine Geschützkugel beide Beine. L. starb 31. Mai zu Wien. Die Leiche wurde nach Straßburg geschafft, 1810 zu Paris im Pantheon beigesetzt und später auf dem Pere-Lachaise beerdigt. [Sein ältester Sohn, Napoleon Auguste, Herzog von Montebello, geb. 30. Juli 1801, erhielt 1815 von Ludwig XVIII. die Pairswürde. Seit der Revolution von 1830 trat er in Staatsdienste und war mehrfach Gesandter. Am 1. April 1839 übernahm er provisorisch das Ministerium des Innern, das er aber schon 12. April dem Marschall Soult abtrat. Hierauf Ras er als Gesandter nach Neapel und war später Marineminister im Guizotschen Kabinett. Im J. 1849 wurde er vom Marne-Departement in die Gesetzgebende Versammlung gewählt, wo er einer der eifrigsten Anhänger der konservativen Partei war. Von 1858 bis 1864 war er Gesandter in Petersburg und starb 19. Juli 1874 zu Paris. Der zweite Sohn des Marschalls L., Gustav Olivier, Graf von Montebello, geb. 4. Dez. 1804 zu Paris, trat in den Militärdienst und wurde 1851 Brigadegeneral und Adjutant des Präsidenten Napoleon. Bei Errichtung der Kaisergarde, 1. Mai 1854, übernahm er das Kommando der aus dem Kürassier⸗ und Guidenregiment bestehenden Brigade und reiste Ende desselben Jahres mit außerordentlichen Vollmachten nach der Krim. Er wurde 1855 zum Divisionsgeneral befördert, nahm als Adjutant des Kaisers 1859 am ital. Feldzuge teil, ging 1861 in vertraulicher Sendung nach Rom und erhielt bald darauf den Befehl über die franz. Truppen im Kirchenstaate. Später übernahm L. das Kommando der Gardekavallerie, wurde 5. Dez. 1869 zur Disposition gestellt und starb 29. Aug. 1875 auf dem Schloß Blosseville bei Havre de Gräce.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 808Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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