Lasker (Eduard), hervorragender Parlamentarier, geb. 14. Okt. 1829 zu Jarocin im Großherzogtum Posen, von israel. Abkunft, besuchte das Elisabeth-Gymnasium zu Breslau, studierte dort 1847—51 Mathematik und Jura und wurde 1851 Auskultator beim Stadtgericht in Berlin. Weil die damaligen polit. Verhältnisse keine Aussichten für Anstellung eines Juden im preuß. Justizdienste boten, ging L. nach England und studierte während eines dreijährigen Aufenthalts daselbst die öffentlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse dieses Landes. Im Mai 1856 trat er wieder in den preuß. Staatsdienst und wurde 1858 Assessor beim berliner Stadtgericht. In den J. 1861—64 erregte L. die Aufmerksamkeit der liberalen Partei durch gediegene Arbeiten über preuß. Verfassungsgeschichte in Oppenheims «Deutschen Jahrbüchern » und wurde vom vierten berliner Wahlbezirk im März 1865 und im Juli 1866 in das Abgeordnetenhaus gewählt, wo er 1868—73 Magdeburg und 1874— 79 Frankfurt a. M. vertrat. Als er hier bei den nächsten Neuwahlen der demokratischen Partei unterlag, zog er sich gänzlich von den Arbeiten des Landtags zurück. Im konstituierenden Reichstage des Norddeutschen Bundes vertrat L. den ersten berliner Wahlkreis, später im Norddeutschen und im Deutschen Reichstage ununterbrochen bis zu seinem Tode den zweiten meininger Wahlkreis. Bis 1866 gehörte L. der Fortschrittspartei an, dann wurde er Mitbegründer der nationalliberalen Partei, zu deren Führern er zählte. Die Ausbildung des Budgetrechts, des Genossenschaftswesens, die Gewerbeordnung, das Haftpflichtgesetz, die Neuordnung der Klassensteuer in Preußen, sind unter L.s hervorragender Mitwirkung zu Stande gekommen. L. gab die entscheidende Anregung zur Ausdehnung der Kompetenz des Reichs auf die Civilgesetzgebung, wie er denn auch an den Arbeiten der Justizkommission 1875—76 einen bedeutenden Anteil nahm. Von gewaltiger Wirkung war seine im Abgeordnetenhause (Febr. 1875) gegen die Eisenbahnpolitik des preuß. Handelsministers von Itzenplitz gehaltene Rede, die die Einsetzung einer königl. Untersuchungskommission zur Folge hatte und in ihrer weitern Konsequenz wesentlich zu dem Zusammenbruch des Gründungsschwindels beitrug. Im J. 1870 wurde er vom Justizminister Leonhardt zum Rechtsanwalt in Berlin ernannt, übte aber die Funktionen eines solchen niemals aus, bekleidete vielmehr ausschließlich die Stellung als Syndikus des Pfandbriefamts in Berlin. Die Zeit, welche ihm seine parlamentarische Wirksamkeit übrig ließ, widmete er litterarischen und journalistischen Arbeiten. Außer zahlreichen kleinern polit. Abhandlungen veröffentlichte er eine Sammlung früher in den Deutschen Jahrbücherno erschienener Aufsätze unter dem Titel 4Zur Verfassungsgeschichte Preußensv (Lpz. 1874). Seine anonym erschienene Schrift Erlebnisse einer Mannesseeler (Stuttg. 1873) wurde von ihm nach kurzer Zeit aus dem Buchhandel wieder zurückgezogen. Später erschien Wege und Ziele der Kulturentwickelung. Essayso (Lpz. 1881). Von der leipziger Juristenfakultät wurde L. 1873 ehrenhalber zum Doktor der Rechte und ebenso 1875 von der philos. Fakultät zu Freiburg i. Br. zum Doktor der Philosophie promoviert. Als Fürst Bismarck seine neue Zoll⸗ und Wirtschaftspolitik begann, weigerte sich L., dem Reichskanzler auf die neue Bahn zu folgen. Letzterer trat nun gegen die nationalliberale Partei in offenen Kampf, dessen Spitze sich vornehmlich gegen L. richtete. Hierzu kam, daß L. auch mit der Mehrheit der sezessionistischen Gruppe, der er sich bei der Spaltung der nationalliberalen Partei im März 1880 angeschlossen hatte und die auf wirtschaftlichem Gebiete einen ertremen Individualismus vertrat, vielfach in Widerspruch geriet. Verstimmt und geistig wie körperlich erschöpft zog L. sich im Sommer 1883 aus dem parlamentarischen Leben zurück, um auf einer Reise nach Nordamerika Erholung zu suchen. Kurz vor Antritt seiner Rückreise nach Europa verstarb er 5. Jan. 1884 in Neuyork am Herzschlage. Seine Leiche wurde nach Deutschland gebracht und in Berlin beigesetzt. Eine Beileidsresolution des amerik. Repräsentantenhauses, die dem Fürsten Bismarck behufs übermittelung an den Reichstag übersandt worden war, wurde von ersterm wegen der darin enthaltenen Kritik der deutschen Regierungspolitik zurückgewiesen und gab im Zusammenhange mit der von den Freunden L.s veranstalteten Gedächtnisfeier zu lebhaften Debatten im Reichstage (13. März 1884) Anlaß. Vgl. Bamberger, Eduard L.y (Lpz. 1884). aski, angesehenes adeliges poln. Geschlecht: Johann L. oder a Lasco, geb. 1457, ward Großkanzler von Polen, 1510 Erzbischof von Gnesen und für sich und seine Nachfolger zum Legatus natus des Papstes ernannt, nahm teil an dem Lateranensischen Konzil 1512—17 und ward von Sigismund I. zu mehrern polit. Missionen verwandt. Er starb 1531. L. veröffentlichte die Sammlung der ältesten poln. Gesetze: Commune incliti Poloniae regni privilegiumo (Krak. 1506); Zeißberg gab L. und sein Testamenty (Wien 1875), Lukowski L.S Liber beneficiorum archidioecesis Gnesnensisp (Gnesen 1880) heraus. Johann L., Neffe des vorigen, einer der Hauptbeförderer der Reformation in Polen, geb. 1499, widmete sich dem geistlichen Stande und erhielt das Bistum Veszprim in Ungarn. Darauf bereiste er Deutschland, Italien und Frankreich. Nach seiner Rückkehr nach Polen wurde er Propst in Gnesen und Bischof von Kujawien, doch bald verließ er Polen wieder und schloß sich dem schweiz. Glaubensbekenntnis an. Im J. 1543 berief ihn die Gräfin Anna von Ostfriesland nach Emden, wo er Gründer der reform. Kirche wurde. Später folgte er einem Rufe Cranmers nach England und wurde Vorsteher einer prot. Gemeinde in London. Marias Thronbesteigung vertrieb ihn 1553 auch von hier. Er durchzog Deutschland, kehrte 1556 nach Polen zurück, wo sich inzwischen die Reformation verbreitet hatte, und ward Vorsteher der reform. Kirchen in Kleinpolen. Er starb 1560. Vgl. Dalton, Johannes a Lasco, Beitrag zur Reformationsgeschichte Polens, Deutschlands und Englandso (Gotha 1881). Sein Bruder Jaroslaw L. war ebenfalls ein Förderer der Reformation in Polen und entwickelte als Zapolyas Gesandter nach der Türkei während dessen Kämpfen mit Ferdinand von Ssterreich eine einflußreiche Wirksamkeit. Darauf von Zapolya der Verräterei angeklagt, ward er gefangen gesetzt. Nach seiner Freilassung trat er zu Ferdinand über und starb als dessen Gesandter in Konstantinopel 1542.