FeedLavalette (Marie Chamans, Graf)
GeschichteBrockhaus 1882

Lavalette (Marie Chamans, Graf), Generalpostdirektor unter Napoleon I., 1769 zu Paris geboren, hatte sich erst dem geistlichen Stande, dann dem Rechtsstudium gewidmet. Er war als Nationalgardist bei den Ereignissen vom 5. und 6. Okt. 1789 und 10. Aug. 1792 beteiligt, trat dann als Freiwilliger in die Armee, kämpfte am Rhein und in Italien, wurde nach der Schlacht von Arcole Adiutant Bonapartes und vermählte sich mit Emilie Louise Beauharnais (geb. 1781), der Nichte Josephinens. L. begleitete Bonaparte nach Agypten und wurde vom Ersten Konsul nach einer Gesandtschaft an die Höfe von Dresden und Berlin an die Spitze des Postwesens gestellt und nach Gründung des Kaiserreichs zum Generalpostdirektor und Grafen erhoben. Mit der Restauration von 1814 mußte er sein Amt an den Grafen Ferrand abgeben. Als Ludwig XVIII. 20. März 1815 bei der Annäherung Napoleons Paris verließ, erschien L. einige Stunden nachher mit dem General Sébastiani vor Ferrand und nahm demselben im Namen des Kaisers die Postverwaltung ab. Nach der Rückkehr der Bourbons wurde L. 18. Juli 1815 verhaftet und 19. Nov. vor die Assisen gestellt, die ihn des Hochverrats schuldig erkannten. Seine Gemahlin wirkte sich die Erlaubnis aus, ihn am Vorabend vor seiner Hinrichtung (23. Dez.) mit ihrer Tochter zu besuchen. In dem Gefängnis wechselte sie mit L. die Kleider und blieb daselbst zurück, während L. in einer Sänfte unerkannt davongetragen wurde. Nachdem er 14 Tage verborgen gelebt, brachten ihn drei Engländer, General Wilson, Hauptmann Hutchinson und ein gewisser Bruce, im offenen Wagen und in der Uniform eines engl. Obersten über die Grenze nach Mons, wo er den Weg nach München einschlug. Jene drei wurden nebst zwei andern Engländern zu Paris in einen langen Prozeß verwickelt; die Gemahlin L.s mußte längere Zeit im Gefängnis bleiben, verfiel in Geisteszerrüttung und starb 18. Juni 1855. Im J. 1822 begnadigte Ludwig XVIII. den Flüchtling und gab ihm die Erlaubnis zur Rückkehr nach Frankreich. L. starb zu Paris 15. Febr. 1830. Seine Mémoires et souvenirsy (2 Bde., Par. 1831) wurden von seiner Familie herausgegeben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 860Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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