Leicester (spr. Lest'r, Rob. Dudley, Graf von), der Günstling der Königin Elisabeth von England, geb. 1533, war der Sohn des Herzogs von Northumberland. Infolge der Ereignisse, die seinen Vater aufs Schafott brachten, in den Tower, wie Elisabeth, gesperrt, gewann er die unzweideutige, bis an den Tod bewahrte Gunst der Fürstin. Gleich mit der Thronbesteigung derselben wurde er zum Mitglied des Geheimen Rats erhoben und mit Gütern und Gnaden überhäuft. Das Verhältnis konnte der übeln Nachrede nicht entgehen; doch hat Elisabeth dem Cavalier, dessen Schönheit, höfische Sitten und ergebene Huldigungen sie fesselten, schwerlich intime Annäherung gestattet. So mag man auch mit Recht an der Nachricht zweifeln, daß L. an dem Tode seiner Gemahlin Amy Robsart, die er 1550 geheiratet hatte und die 1560 plötzlich starb, schuld gewesen sei, um sich den Weg zur Hand der Königin zu bahnen. Elisabeth trug 1564 die Hand ihres Günstlings der Königin Maria Stuart von Schottland an und ernannte ihn zugleich zum Grafen von L. und Baron von Denbigh; aber diese brach die schwerlich ernstlich gemeinten Unterhandlungen ab. Als Maria Stuart 1587 der Prozeß gemacht wurde, war L. unter den Richtern. Elisabeth ernannte ihn 1585 zum Oberbefehlshaber der Hilfsvölker, die sie den Niederlanden gegen Spanien zu Hilfe schickte. L., den die Niederländer zum Generalstatthalter und Befehlshaber ihrer Kriegsmacht zu Wasser und zu Lande erhoben, machte hier als Feldherr ein klägliches Fiasko. Vergebens suchte er sich 1587 durch einen Gewaltstreich gegen die widerspenstigen Holländer eine festere Stellung zu verschaffen; der Plan ward im Keime erstickt und L. im Dezember nach England zurückgerufen. Die Königin vertraute ihm hierauf den Oberbefehl über das Heer an, welches die Hauptstadt während der Gefahr der span. Invasion schützen sollte. L. starb 4. Sept. 1588. Sein Erbe in der Gunst der Königin war sein 21jähriger Stiefsohn, Graf Essex (s. d.), dessen Mutter er durch Vergiftung ihres Gatten gewonnen haben soll. Aus einem geheimen Verhältnis mit der Witwe des Lord Sheffield, aus dem Hause Douglas, hinterließ L. einen Sohn, Namens Rob. Dudley. Den Verdacht, als habe er seine erste Gemahlin umgebracht, hat Walter Scott zum Gegenstand seines Romans Kenilwortho gemacht.