Reis, in einzelnen Teilen Afrikas ein wichtiges Nahrungsmittel, namentlich auf Madagaskar, wo nicht weniger als 11 Arten von Reis vorkommen sollen. Das malagassische Mihinam-Bäry, „Reis essen“, ist gleichbedeutend mit dem orientalischen Ausdruck „Brot essen“ und mit unserem „eine Mahlzeit einnehmen“ Alle anderen Speisen gelten nur als Beiwerk zum Reis, dessen Kultur die Eingeborenen besondere Sorgfalt widmen. „Man findet auf Madagaskar zweierlei Arten von Reisfeldern: diejenigen, auf welchen man .den Reis aussäet, und dann die anderen, auf die man ihn verpflanzt und auf denen er bis zur Ernte stehen bleibt. Die. ersteren sind nur schmale Bodenstreifen an den Ufern der Flüsse, oder Terrassen an den schrägen Wänden der tiefen Thäler; sie werden aus den nächsten Quellen durch Aquädukte bewässert, die oft in sehr sinnreicher Weise grosse Strecken weit an den Krümmungen der Hügelwände entlang geführt sind. Da der. Reis in der trockenen, regenlosen Jahreszeit gesäet wird, ist eine ausgiebige künstliche Bewässerung hier unerlässlich, denn bekanntlich muss der Reis sowohl im Wasser gesiüet werden, als auch bis zu seiner Reife im Wen wachsen. Die Terrassen sind immer mit grossem. Geschick und Verständnis angelegt, und man kann sich kaum einen unse Anblick vorstellen als den dieser von unten bis oben terrassierten Hügel und Thalwände, die oft in beinahe 100 grünen Stufen ansteigen. Verstehen schon die Hova sich gut auf die Reiskultur, so werden sie darin doch von den Bätsil6o in den: südlichen Zentralprovinzen noch weit übertroffen. Hier werden nicht nur, wie in Im6rina, die Thäler und Me tiefungen, die konkaven Teile der Hügel ad der unteren Berghänge rt auch die konvexen Teile sind zu gigantischen Treppen aufgestuft. Diese Anlagen, die den bebeen Fleiss des Volkes erkennen lassen, offenbaren zugleich das Vorhandensein einiger Kenntnis der Hydrostatik; mir war es mehrmals unerklärlich, wie das Wasser auf die von niedrigem Lande umgebenen Hügel hinaufgeleitet wurde. Ger viele derselben waren bis zum Gipfel hinauf terrassiert, die schmalen Reisfelder zogen sch in konzentrischen Kreisen _ um sie herum und es war kaum ein Quadratfuss unbenutzten Bodens an ihnen zu entdecken. Sobald die jungen Reispflanzen eine Höhe von 15—20 Centimeter erreicht haben, werden sie sämtlich aus der Erde gezogen und Pflanze für Pflanze in die eigentlichen Reisfelder versetzt. Diese: sind viel grössere und ausgedehntere Bodenflächen in den breiten Thälern und den alluvialen Ebenen. Nach einmaligem Umgraben werden sie unter Wasser gesetzt, dann nochmals mit dem Spaten bearbeitet und durch das Darübertreiben der Rinderherden gelockert. Ist der Schlamm an. der Oberfläche gleichmässig weich, so werden die jungen Pflanzen von Sklavinnen hineingesteckt. Wenn diese Arbeit auch ungemein rasch von statten. geht, so muss es doch fast unbegreiflich erscheinen, wie es möglich ist, die gewaltige Masse ‘von Pflanzen, die zur Ernährung einer grossen Bevölkerung notwendig ist, in dieser Weise zu behandeln und jedes Pflänzchen einzeln in den Boden zu setzen. Die Hova glauben, dass der Reis nur durch die Umpflanzung vollkommen gedeihen könne; einige andere Stämme jedoch bemühen sich damit nicht, sondern säen ihren Reis ziemlich dünn auf nasse Felder, die allein von den Füssen des Rindviehs bearbeitet und zerstampft worden sind, und die in den Wäldern lebenden Stimme schlagen und brennen alljährlich neue Waldstriche nieder und säen den Reis an den Abhängen der Hügel in die Asche. Westlich von der: Hauptstadt Antanänarivo zieht sich eine prachtvolle Reisebene hin, die mit ihren Ausläufern beinahe 35 Kilometer von Norden nach Süden und 16 Kilometer von Osten nach Westen .misst und, wenn der Reis frisch gepflanzt oder im Herbste der Reife nahe ist, einen herrlichen Anblick darbietet: die Dörfer auf den niedrigen roten Thonhügeln erheben sich dann wie Inseln aus einem wogenden grünen oder goldenen Meere.“ — Der auf Madagaskar gebaute Reis ist von bedeutend besserer Beschaffenheit als der indische, und er wird dort und auf Bourbon und Mauritius in solcher Menge erzeugt, dass diese drei Inseln nicht nur das ganze portugiesische Ostafrika, sondern auch Sansibar und noch andere Gebiete damit versorgen. — Dem Festland von Afrika ist der Reis, der einen sumpfigen Boden liebt, im allgemeinen fremd; doch finden sich auch in Afrika weite Strecken, welche zum Reisbau vortrefilich geeignet sind, sowohl das Hinterland der portugiesischen. Besitzungen an der Ostküste als auch einzelne Teile des Hinterlandes der Sansibarküste. Die Mafia-Inselgruppe an der Sansibarküste erzeugt ebenfalls viel Reis. Als die Missionäre Proctor und . Scudamon auf dem Marsche zum Ruo, einem Nebenfluss des Shire, nach Mango kamen, waren sie aufs Höchste überrascht, in jener Gegend drei Kulturgewächse zu finden, welche den Europäern ins Innere vorangeeilt zu sein scheinen: Orangen, Ananas u. Reis.