FeedBetel
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Betel, die Coca der Südasiaten, ein Modekaumittel, das aus drei Substanzen gefertigt wird: Betelnuß, Betelblatt und Kalk. Zur Herstellung dieses Genußmittels wird die Betelnuß (gelbe, eigroße Frucht der Arecapalme) in längliche Streifen geschnitten, dann das Betelblatt (frisches Blatt des Kaupfeffers mit blutrothem Saft und würzhaftem Geschmack) einseitig mit Kalk bestrichen, den Korallen und Austernschalen liefern, endlich das Stück Nuß in das Blatt eingerollt, und der Prim ist fertig. Der Betel wirkt anregend und verleiht zugleich dem Athem einen angenehmen, würzigen Geruch, färbt aber den Speichel und das Zahnfleisch blutroth und schwärzt die Zähne, so daß die Europäer ihn in der Regel meiden. Nichtsdestoweniger beläuft sich die Zahl der Betelkauer auf mindestens 100 Millionen, denn bei Indern, Malayen, Chinesen und Polynesiern gehört der Betel zur Lebensnothdurft, deren Zurichtung gewöhnlich den Frauen obliegt und einen guten Theil der Zeit derselben in Anspruch nimmt. Auch gilt dort vor dem Betel, wie in Europa vor dem Tabak, weder Rang noch Reichthum, weder Alter noch Geschlecht. Man reicht ihn Freunden und zufälligen Bekannten wie bei uns eine Prise Tabak, und während der Arme eine einfache Betelbüchse von Holz oder Horn führt, prunkt der Reiche mit kostbaren Dosen aus Gold oder Silber und macht damit Geschenke wie einst die europäischen Großen mit den bekannten Tabatisren.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 33Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Haus & Küche 6