Datteln, in Arabien, Aegypten und der Sahara ein unentbehrliches Nahrungsmittel, das wahre „Brot der Wüste“, bilden in Europa ausschließlich eine Luxusspeise, ein Dessertobst, und das nur, solange sie frisch sind. Die glänzend braune frische Dattel riecht schwach nach Hönig und hat einen sehr angenehmen Süßgeschmack, mit der Zeit aber schrumpft sie zusammen, wird ranzig und schmeckt dann geradezu widerlich. Aus dieser Eigenheit erklärt sich die auffällige Thatsache, daß die Dattel auf der zucker- und honigseligen Tafel des Mittelalters und des 16. Jahrhunderts weit weniger beliebt war als die Feige und die Mandel; man erhielt sie bei den damaligen Verkehrsverhältnissen selten frisch genug, um sie von ihrer guten Seite kennen zu lernen. Die Neuzeit hat dies Gebrechen beseitigt. Aegypten allein exportirt jetzt jährlich zwischen 25 00030 000 g Datteln, und Oesterreich führte 1890 nicht weniger als 3891 g ein, von welcher Menge sicher nur der kleinste Theil sich in Dattelkaffee, jenes famose Mocca-Surrogat, verwandelt hat, das so viel gepriesen und so wenig getrunken wird. Die Heimat der Dattel oder vielmehr des Anbaues der Dattelpalme, des gepriesenen Palmbaumes der Dichter und der Bibel (der aber in Palästina nur bei Jericho Früchte brachte und daher nie als Obstbaum genannt wird), umfaßt das ganze Gebiet zwischen dem Euphrat und dem Nil. Von hier aus verbreiteten die Araber den Baum im 8. Jahrhundert n. Chr. ostwärts bis nach Indien, westwärts bis zu den canarischen Inseln -und nordwärts über Südspanien, Sicilien und Süditalien. Am meisten geschätzt werden noch heute die syrischen „Kalifat⸗“, die ägyptischen „Alexandria-⸗“, die „Marokko-“ und die langen, vollen „Königsdatteln“ von Tunis. Minder gesucht sind die kleineren und härteren sicilianischen und die spanischen Datteln, die im Großen beim Städtchen Elche, im Kleinen aber in allen Kloster- und Bauerngärten der Provinz Valencia gezogen, und zwar reif, indessen nie so süß und so schmackhaft werden, wie die asiatischen und afrikanischen. In Italien kommt die Dattel nur ausnahmsweise zur Reife. Uebrigens ist es eine sattsam beglaubigte Thatsache, daß nicht wenige Feinzungen selbst beim Wein die einfache Nuß oder Traube der besten Dattel vorziehen. Deswegen aber verfehlt noch kein Stück „Brot der Wüste“ seinen Beruf, Appetit-⸗Lexikon. 9 denn die Jugend ißt es unter allen Umständen „für ihr Leben gern“ — sogar ohne Zuthat.