Canarien-Sect, aller Weine der Canarischen Inseln (zu denen auch Madeira, Porto Santo, Falcon Bajo, Selvagem und die drei Desertas gerechnet werden) ehemaliger Gesammtname, der aber seit etwa fünfzig Jahren vollständig außer Gebrauch gekommen und durch die Bezeichnung Madeira ersetzt worden ist. Den berühmten Canarien-Sect des 16. Jahrhunderts, das mit Zucker und Zimmt, Bratäpfeln und Eiern versetzte Leibgetränk des edlen, ewig jungen Sir John Falstaff, der mit gerechter Entrüstung gegen den Kalk und den „Hühnersamen“ in seinem Wein protestirte, lieferten die trockenen Weißweine der gedachten Inseln, die heute als Dry Madeira auf der Weinkarte figuriren. Zu diesen Weißweinen gehören (neben dem Sercial und dem Boal von Madeira) vornehmlich die stark alkoholhaltigen, aber wenig parfümreichen Vidogna-Sorten von Teneriffa (Taracante, Matanza, Val d'cod, Laguna, Orotava u. s. w.), von Gomera, Ferro und Palma (der ehemalige Palm-Sect!), die aber nie unter ihrem wahren Namen, sondern stets als Madeira und seit dreißig Jahren auch als Sherry auf—⸗ treten. Dagegen gehört der heute als Seet von Teneriffa (nach der ehemaligen Hauptstadt der Insel) oder als Laguna-Seet bezeichnete ananasduftende, süße Liqueurwein, der kaum dem echten Madeira nachsteht, gar nicht in diese Klasse, sondern vielmehr zu den Malvasieren. 4 Candis, Candiszucker oder Zuckerkant, wird aus in Wasser gelöstem, mit Knochenkohle und Blut geklärtem Rohzucker in der Weise hergestellt, daß man den gereinigten und eingekochten Saft in kegelförmige, mit Fäden durchzogene Gefäße füllt und hier so langsam wie möglich auskrystallisiren läßt, wobei die Krystalle in der bekannten schönen Gestalt an die Fäden anschießen. Die Farbe des Productes (weiß, lichtgelb oder braun) hängt theils von dem verwendeten Rohstoffe, theils von der Dauer des Einkochens ab, indem der Candis um so dunkler erscheint, je stärker der Saft eingedickt wurde. Weit langsamer löslich und wohlschmeckender als der gewöhnliche Zucker, wird er vorzugsweise als Näscherei und in allen Fällen verwendet, wo das Aroma eines Küchenproductes möglichst wenig durch die Versüßung beeinträchtigt werden soll.