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PflanzenreichAppetit-Lexikon 1894

Apfelsine, süße Orange, Pommesine oder Sina-Apfel, eine Abart der Orange und die einzige ihrer Familie, die den Namen eines Obstes verdient, während die Citronen, Limonen, Pomeranzen u. s. w nur Gewürze darstellen. Der Süßorangenbaum ist in China heimisch, die Frucht war aber (wahrscheinlich von Indien her) schon vor 1498 in Italien bekannt, und der Baum selber kam dort und in Spanien schon 1523 vor. Der Anbau im Großen ging jedoch von Portugal aus, das 1548 durch den Seefahrer Juan de Castro einen jungen Stamm direct aus China erhielt und davon so vortreffliche Früchte zog, daß der Name dieser Sorte (portogallo) nachmals in Italien und Griechenland zum Namen der Frucht überhaupt wurde. Die Portugiesen verpflanzten die Apfelsinenzucht auch nach Amerika, wo der Baum schon 1590 völlig eingebürgert war, und namentlich nach den Azoren, wo sie im großartigsten Maßstabe betrieben wird und jährlich im Durchschnitt 750 Millionen Früchte geerntet werden, von denen 650 Millionen allein nach England gehen. In Deutschland machten Straßburger und Metzer Gartenbesitzer schon zwischen 1540—1550 erfolglose Versuche mit der Apfelsinencultur, und gegen Ende des Jahrhunderts fand man die aus Italien bezogene Frucht bereits auf allen besseren Tafeln; im Jahre 1892 wurden nicht weniger als 249 440 9 importirt, wozu Spanien 133 000 g und Italien 65000 q lieferten. Außer in diesen beiden wird aber die Apfelsine überhaupt in allen Ländern und auf allen Inseln des Mittelmeers gezogen. Für die besten Sorten gelten die dünnschaligen, saftreichen und höchst aromatischen Malteser (sind im Handel selten!), die Genueser und die Messina-Apfelsinen. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich außerdem zwei Spielarten: die Jericho-Orange aus Palästina mit rothem, ungemein süßem Fleisch und die Mandarinen-Orange oder Blutapfelsine von Sicilien mit dunkelrothgelber Schale und blutrothem Fleisch, die nur die Größe eines gewöhnlichen Borsdorfers erreicht und zum ersten Male zu Anfang des 19. Jahrhunderts im Pflanzengarten zu Palermo auf einem aus China importirten Stamme gezogen wurde. Die Apfelsine ist die saftreichste unter allen Obstfrüchten und besitzt zugleich den größten Gehalt an freier Säure. Sie wird daher ausschließlich roh genossen, und zwar mit oder ohne Zucker — alle Versuche, sie in anderer Gestalt aufzutischen, verwischen nur den würzigen Geschmack der Frucht und setzen einen weniger reinen an dessen Stelle. Daher hat auch der — Apfelsinen-Rosoglio, der in Florenz, Bologna und Udine fabricirt wird, außerhalb seines Vaterlandes nur wenig V Verehrer gefunden. Der Saft liefert, in Zuckerwasser geträufelt, einen angenehmen Kühltrank, die in Frankreich so sehr beliebte Orangeade, die dort die Limonade nahezu aus dem Felde geschlagen hat. Die Schalen spielen bei der Punschbereitung eine Rolle.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 14Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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