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PflanzenreichAppetit-Lexikon 1894

Granatapfel, Granate, in Oesterreich ehemals Margrant, die farbenprächtige Frucht des Granatbaums, deren lederartige Schale rothbraun, deren Fleisch gelb und deren Kernhaut blau gefärbt ist. Der Granatbaum ist ein geborener Perser (kein Afrikaner!), ist aber schon in vorhistorischer Zeit über Indien und das ganze Mittelmeergebiet, um 150 v. Chr. nach China und um 1560 nach Amerika verbreitet worden. In Oesterreich und Deutschland kommt er verwildert seit alter Zeit bei Bozen, sonst nur als gepflegter Zierbaum vor. Als solchen finden wir ihn 1564 im Garten der Wiener Hofburg und hundert Jahre später in den Kalthäusern der oberösterreichischen Edelsitze. Anno 1779 wird als Merkwürdigkeit berichtet, daß die im Freien stehenden Granatbäume des fürstlichen Gartens zu Mannheim reife und genießbare Früchte brachten. Die Römer zu Christi Zeit unterschieden 9 Spielarten, unter denen die punische für die beste galt. Palladius (um 350 n. Chr.) kannte nur noch 6 Sorten und Hohberg (um 1680) nennt nur noch 3 Sorten: „sauer, süß und mittelmäßig“. Höchst wahrscheinlich sind eine Anzahl Varietäten in Folge mangelhafter Cultur eingegangen, denn obgleich wegen der mehr oder weniger weinsäuerlichen Frucht in Südeuropa und namentlich im Orient noch immer ein geschätzter Obstbaum, gehört der Granatbaum doch zu den Entthronten: die Orangenbäume haben ihm den Rang abgelaufen. Auf der Tafel Kaiser Ferdinands I. bildeten Citronensaft und Granatkörnersaft als „Schmackreizung“ den stehenden Ersatz des Essigs, heutzutage jedoch gelangt der Granatapfel nur noch gelegentlich zu uns und wird nur, von einzelnen Liebhabern beachtet, die ihn nach Art der Apfelsine verspeisen.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 204Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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