Ingwer, Ingber oder Ingwerklauen heißen die plattgedrückten Nebenwurzeln des knolligen Wurzelstocks der Ingwerstaude, die in Südasien zu Hause, aber schon im 16. Jahrhundert durch Francesco de Mendoza nach Mexico und dann auch nach den Antillen, Cayenne, Brasilien, Queensland und der afrikanischen Westküste verpflanzt worden ist. Die Wurzeln werden im Januar und Februar ausgestochen, in heißem Wasser gebrüht und entweder mit der Rinde (ungeschälter Ingwer) oder nach Entfernung derselben (geschälter oder weißer Ingwer) an der Sonne getrocknet und so nach Europa geliefert. Der Ingwer enthält neben 45—557 Stärke, 10—127% Wasser und etwa 31½% Fett noch 1½.—23/¾%% ätherisches Oel, und da gerade die gelbbraune Rinde reich an diesem Stoffe ist, gilt der ungeschälte mit Recht für werthvoller als der geschälte, der überdies häufig mit Chlor gebleicht, wenn nicht mit Gyps oder Kreide angestrichen ist. Griechen und Römer kannten die Drogue zunächst nur als Arzneimittel, erst Apicius bezeichnet sie als Gewürz. In Deutschland wird der Ingwer zuerst um 1070 in den Haushaltbüchern des Klosters Hirsau an der Nagold (Württemberg) erwähnt, spielte aber das ganze Mittelalter hindurch eine ebenso bedeutende Rolle wie der Pfeffer; namentlich war der in Zucker oder Honig eingemachte sogenannte candirte Ingwer beliebt, der in bester Qualität in China aus der frischen, in den europäischen Conditoreien aber aus der getrockneten Wurzel hergestellt wird. In Frankreich vertrat sogar während des 18. Jahrhunderts die épice blanche oder petite épice (gestoßener Ingwer) vielfach die Stelle des mit hohem Eingangszoll belegten und daher vierfach lostspieligern Pfeffers. Die Küche des 19. Jahrhunderts macht wie überhaupt von den Gewürzen, so auch vom Ingwer immer weniger Gebrauch. Oesterreich führte 1890 nur noch 1539, Deutschland gar nur 1508 c9 zum eigenen Gebrauche ein, und diese Ziffern gehen noch immer, zwar ganz allmählich, aber stetig zurück. Guter Ingwer riecht angenehm aromatisch und schmeckt scharf, geradezu brennend gewürzhaft. Mit Fug rechnet man ihn daher zu den kräftigern Magenreizern, und da die Ingwer-Morsellen und das Ingwer-Bier (ein leicht moussirendes Getränk aus Wasser, Hefe, Weinstein, Ingwer und Zucker) aus der Mode gekommen sind, so befleißigt man sich jetzt des Ingwer-Liqueurs als eines billigen und wirksamen Magenmittels.