Mais (LJea L.) heißt eine zur 21. Klasse des Linneschen Systems und zur Familie der Gramineen gehörende Gattung amerik. Getreidearten. Dieselbe zeichnet sich durch einhäusige Blüten aus, von denen die männlichen auf der Spitze des Halms eine ausgebreitete Rispe (Fahne) bilden und die weiblichen blattwinkelständige Kolben ausmachen, die in den Blattscheiden eingeschlossen sind, aus denen nur die langen Narben als ein Schopf federiger Fäden heraushängen. Der gemeine Mais (L. Mays L.), auch Welschkorn, Türkischer Weizen, Kukuruz, in Amerika als Hauptbrotfrucht schlechtweg Corn genannt, stammt ursprünglich aus dem wärmern Amerika, wo er seit alter Zeit angebaut worden sein muß, da Maiskolben in den Gräbern der Inkas gefunden und auch in Mexiko zu den religiösen Gebräuchen verwendet wurden. Aus Südamerika kam er durch Columbus nach Spanien, wo er schon um 1520 angebaut wurde, um sich von hier aus nach Italien, der Türkei und der Levante zu verbreiten. Gegenwärtig wird der M. nicht nur in der ganzen südl. Hälfte Europas zum Zwecke der Körnergewinnung, sondern auch in Mitteleuropa, namentlich in Deutschland als Grünfutterpflanze kultiviert. Der M. gehört zu den wichtigsten Getreidearten, er ist ergiebig und nahrhaft. In Europa, Asien, Afrika und Amerika lebt ein großer Teil der Bevölkerung vom Maismehl. Es gibt eine große Anzahl von Spielarten, hohen und niedrigen M. (Riesen⸗ und Zwergmais) mit gelben, weißen, braunroten, violetten und glasartigen, durchscheinenden Körnern, mit zusammengedrückt-rundlichen, kleinen oder großen, seltener mit länglichen oder zugespitzten Körnern. Die am höchsten emporwachsenden Sorten mit großen, breitgedrückten Körnern sind unter dem Namen Pferdezahnmais bekannt; sie stammen vorzugsweise aus Amerika. In Curopa wird am gewöhnlichsten der großkörnige M. in verschiedenen Abarten kultiviert. Er gewährt in allen seinen Teilen Nutzen. Die Körner liefern eine schmackhafte Grütze und ein vortreffliches Mehl zu Backwerk, in Italien und den Südostländern namentlich zu Mamaliga und Polenta. Zu Brot ist das Maismehl an und für sich nicht geeignet; für diesen Zweck muß es erst mit Roggen- oder Weizenmehl gemengt werden. Die reifen Körner und die unreifen milchigen Kolben werden geröstet oder gebraten und warm gegessen. Die unreifen Kolben werden häufig als Pickles eingemacht. Der Schaft der Pflanze enthält vor der Blütezeit eine große Menge süßen, zur Sirup- und Zuckerbereitung tauglichen Saftes. Der große Fettgehalt der Samen wird zuweilen, z. B. in Südfrankreich, zur Gewinnung eines geschätzten Ols benutzt; außerdem bieten sie ein unschätzbares, im internationalen Handel gesuchtes Material zur Spiritus⸗ und Stärkefabrikation. Allen Haustieren gewähren nicht nur die Körner ein angenehmes, gedeihliches Futter, sondern auch in hohem Grade die Stengel und Blätter in grünem Zustande. Eine besondere Bedeutung hat der M. in der neuesten Zeit dadurch gewonnen, daß derselbe in grünem Zustande das vorzüglichste Material zur sog. Einsäuerung lensilage) liefert, einer Konservierungsmethode des Grünfutters, durch welche eine sehr lange Aufbewahrung des letztern ermöglicht wird, und da der M. auch auf leichtern Bodenarten bei richtiger Kultur höhere Erträge an Grünfutter liefert, als irgend eine andere Pflanze. Der M. ist in seinen Ansprüchen an den Boden nicht sehr wählerisch, verlangt jedoch einen großen Vorrat an Pflanzennährstoffen und verträgt stärkste Stallmistdüngung. Die Saatzeit ist Ende April oder Anfang Mai, das Saatquantum beträgt 60—100 kg pro Hektar, der Ernteertrag bei Körnergewinnung 1500 - 4500 kg und bei Grünfutterverwertung 40 -80000 kg pro Hektar. Häufig wird das Wachstum des M. durch den Maisbrand (ustilago maydis) geschädigt. Die Maisstengel lassen sich zum Dachdecken, als Brennmaterial und zu Korbflechtereien benutzen. Die Fasern der Stengel, sowie die Blätter geben ein haltbares Bindematerial, die elastischen Deckblätter der Kolben lassen sich zum Auspolstern verwenden. Neuerdings wird in Österreich auch Papier daraus verfertigt. Zum Ausbringen der Körner aus den Kolben bedient man sich jetzt der Maisentkörnungs- oder Rebelmaschinen. Vgl. Burger, WMaturgeschichte, Kultur und Benutzung des M.y (Wien 1811); L. Müller, Der M. v (Heidenheim 1863); Werner, Handbuch des Futterbaues auf dem Ackerlander (Berl. 1876); Langenthal, Handbuch der landwirtschaftlichen Pflanzenkundey (5. Aufl., Berl. 1881); Kühn, Das Einsäuern der Futtermitteld (Berl. 1885).