Sellerie, in Oesterreich Zeller, ein Grand unter den Salatkräutern, dessen Ahnherr, der wilde Sellerie mit magerm Blatt und schmächtiger Wurzel schon im Homer genannt wird und sich von Abyssinien bis Schweden und vom Kaukasus bis zum Himalaya an salzhaltigen Quellen als Wildling findet. Die cultivirte Pflanze wird zuerst im 4. Jahrhundert v. Chr. von Theophrast aufgeführt, und später gedenken Plinius und Apicius ihrer — während des ganzen Mittelalters aber ist von ihr in der Küche nie die Rede. Erst gegen Mitte des 17. Jahrhunderts taucht sie, aus Italien eingeführt, in Frankreich auf, um sich von dort nach Deutschland und den Niederlanden zu verbreiten. In Oesterreich mußte man nach Hohberg's Bericht noch 1682 den Samen aus dem Ausland kommen lassen, und der Schweizer Heß beschreibt sie noch 1690 als eine Neuheit. In England wurde sie sogar erst seit 1704 durch den französischen Marschall Tallard bekannt, als dieser nach der Schlacht bei Hochstädt als Gefangener in London weilte. Gegenwärtig gehört der Sellerie zu den häufigsten und beliebtesten Küchengewächsen Europas und wird in zwei Abarten gezogen, als Knollensellerie mit krautrübengroßer Wurzelknolle und kurzgestielten Blättern und als Bleich-⸗, Kraut⸗ oder Stangensellerie mit verästelter Wurzel und ungemein lang gestielteu Blättern. Am Bleichsellerie, einem Culturproduct des 19. Jahrhunderts, das in England, den Niederlanden, Frankreich und Italien vorherrscht, sind die langen, fleischigen Blattstiele die Hauptsache und geben roh einen sehr gefeierten Salat, beim Knollensellerie dagegen, der in Oesterreich und Deutschland — Erfurt allein erzeugt rund 12 000 Schock jährlich — den Vorrang behauptet, sieht man vor Allem auf die Wurzel und verwerthet die Blätter nur als Suppenwürze. In Berlin versteht man unter Sellerie nur die Wurzel, in Paris nur das Kraut (Vaerst), Wien aber hält in diesem Fall zu Berlin, d. h. zum Knollensellerie, und weiß diesen in der magern wie in der Bouillonssuppe, besonders aber als Gemüse mit Parmesankäse oder Ochsenmark, in Oel gebacken oder auch gefüllt in brauner Sauee auf lobwürdigste Weise zu verwerthen. Höchst anerkennenswerth ist der herzen⸗ und nierenergreifende Selleriesalat mit Pfeffer und Rahm, eine Hochzeitsschüssel für Schlafmützen-Temperamente, die sich in Norddeutschland besonderer Gunst erfreut. Der Sellerie enthält nämlich unter allen Wurzelgewächsen die größte Menge Phosphorsäure und organisch gebundenen Schwefels (fast ¾ und über ½/50%/% er wirkt daher sanft erregend und Grimot hat somit Recht: „Selleriesalat ist kein Gericht für Junggesellen“. Der Schalkl.. er that diesen Ausspruch nur, weil er wußte, daß ein Verbot die beste Empfehlung ist.