Steinbock, der unzugängliche Monarch des Hochchiher, ist aus Abbildungen sattsam bekannt, in natura aber seltener als ein weißer Sperling, und das nicht erst seit gestern. Dieses „Thier“, erzählte Kaiser Ferdinand im Jahre 1564, „ist in ganz Deutschland nicht mehr zu finden. Einer ist noch in Kärnthen, der Herr Kutzschacher genannt, der reichste unter denen von Adel, der hat derselben noch etliche — sonsten hat ihr Geschlecht ganz aufgehört.“ Das ist freilich nicht streng wörtlich zu nehmen, denn der letzte Steinbock wurde in den österreichischen Alpen erst 1705 geschossen, zur elben Zeit, wo der damalige Bischof von Salzburg, Graf Joh. Ernst v. Thun, den lange gehegten und auf 297 Stück angewachsenen Bestand des Floitenthals in Tirol vollständig abschließen ließ — für die österreichische Küche aber war der Steinbock allerdings schon damals ein Märchen aus vergangener Zeit, das auch die 1867 im Salzkammergut ausgesetzten Exemplare nicht zu neuer Wirklichkeit zu erheben. vermocht haben. Ueber die culinarischen Qualitäten dieses Hochwildprets ist daher nichts Näheres bekannt; man wird aber schwerlich fehlgreifen, wenn man ihn vorkommenden Falls wie die Gemse tractirt — was sich wenigstens diejenigen merken mögen, die ihre Sommerfrische im Himalaya abzuhalten gedenken, da der Steinbock dort noch häufig vorkommen soll.