Hirschkolben zu bereiten, Diese bekömmt man erst nach Johannis, und ist eine ziemlich rare Speise: denn von einem Hirsch kan man keine grosse Casserole oder Tiegel voll zu wege bringen: dahero sie nur bey grosser Herren Höfen können zugerichtet werden. Wenn nun Hirschen einkommen, die noch weich Gehörne haben, so schneidet oben an allen Enden die Kolben ab, leget sie über Nacht in kaltes Wasser, daß es den rothen Schweiß heraus ziehet, hernach setzet selbige im Wasser zum Feuer, lasset sie kochen, biß sie weich werden, alsdenn ziehet ihnen die Haut ab, und mit einem scharffen Messer beschneidet sie fein sauber, leget sie hierauf wieder in kaltes Wasser, so sind sie zugeputzt, und könnet ihr sie nun brauchen, wie ihr wollet.
Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 845–846Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0