Heß (Karl Ernst Christoph), berühmter Kupferstecher, geb. 22. Jan. 1755 zu Darmstadt, widmete sich zuerst in Mannheim der Stempelschneidekunst. Durch eine Jagdscene, womit er einen für den Kurfürsten Maximilian III. von Bayern bestimmten Hirschfänger geziert hatte, erwarb er sich zuerst die Gunst desselben. Die Kupferstechkunst gründlich zu erlernen, ging er 1776 nach Augsburg. Im nächsten Jahre folgte er der Aufforderung, nach Düsseldorf dr kommen, um an dem großen Galeriewerke des Direktors Krahe mitzuarbeiten. Schon die von ihm gearbeitete erste Platte, nach Rembrandt, gefiel so, daß er 1780 zum Mitglied der Akademie gewählt wurde, worauf ihn der Kurfürst 1782 zum Hofkupferstecher und dann zum Professor an der Akademie ernannte. Im N. 1783 ging er nach München und 1787 nach Italien, wo er mit Goethe, Hirt, Mengs, Herder und Schlegel eine nähere Bekanntschaft knüpfte. Als 1789 der Engländer Green das düsseldorfer Galeriewerk fortzusetzen beschlossen hatte, wurden H. und Bartolozzi als Hauptmitarbeiter berufen. H. lieferte die Himmelfahrt der Maria, nach Guido Reni, den Marktschreier von G. Dow, ein Hauptblatt der Kupferstecherkunst, das Porträt Rubens' und das der Frau Rubens', welches letztere für das beste aller Stiche in punktierter Manier gilt. Auch seine Blätter in einer Reihe von Jahrgängen des Mohnschen Taschenbuchs, nach den besten Bildern der düsseldorfer Galerie, gehören zu den vorzüglichsten dieser Gattung. Noch sind zu erwähnen die Heilige Familie nach Rafael und das in München vollendete berühmte Jüngste Gericht nach Rubens. Als die düsseldorfer Galerie und Akademie 1806 nach München verlegt wurde, erhielt auch H. wieder eine ehrenvolle Anstellung. Unter seinen dortigen Arbeiten sind zu erwähnen: der heil. Hieronymus, nach Palma, die Anbetung des göttlichen Kindes, nach van Eyck, die er in seinem Greis nalter stach, und seine letzte Arbeit, das Porträt des Königs Maximilian I., nach Stieler. H. starb zu München 25. Juli 1828. Unter seine Schüler gehören auch seine drei Söhne, Peter, Heinrich und Karl.