Individuell heißt dasjenige, was bei einem einzelnen Gegenstande seine Natur als besonderes Ding ausmacht. Individualität nennt man daher den Inbegriff der Merkmale, wodurch sich ein Ding von andern seiner Art unterscheidet. Das Individuelle ist Gegenstand der Anschauung und kann nur durch diese erkannt werden. Das Allgemeine oder Generelle dagegen läßt sich nur durch Reflexion und Abstraktion finden. Je vielfältigern Bestimmungen eine Klasse von Dingen zugänglich ist, desto reicher entfaltet sich innerhalb derselben die Individualität, am reichsten da, wo das geistige Leben einer selbständigen Ausbildungfähig ist. Obgleich daher unter Individuum ein Einzelwesen überhaupt verstanden wird, so bezeichnet das Wort doch vorzugsweise das geistige Einzelwesen oder die Person, und die Individualität den Inbegriff der geistigen Eigentümlichkeiten, die eine Person von allen andern ihrer Gattung unterscheiden. Die Ursachen einer bestimmten Individualität liegen teils in der Gesetzmäßigkeit des geistigen Lebens, teils in dem variierenden Verhältnisse des Geistigen zum Körperlichen. Die Frage nach dem Prinzip der Individualität (Principium individuationis) hat die Metaphysik, namentlich bei den Scholastikern, lange Zeit beschäftigt und wurde die Veranlassung sehr verschiedener Lehrmeinungen. Sie entstand dadurch, daß man nach Platonischer Art die allgemeinen Begriffe für den Ausdruck des wahren Wesens der Dinge erklärte und dadurch in Verlegenheit geriet, wie man sich die Entstehung der individuellen Bestimmungen, durch welche sich alles Wirkliche thatsächlich zu erkennen gibt, zu denken habe.