FeedIntellektunell
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Intellektunell (lat.) oder Intellektual beeichnet im allgemeinen das, was sich auf das Wissen oder die Erkenntnis bezieht. In diesem Sinne spricht man z. B. von intellektueller Bildung, im Unterschied von der moralischen des Willens und der ästhetischen des Geschmacks. Im engern Sinne unterscheidet man intellektuelle Erkenntnisse von sinnlichen oder sensuellen und versteht darunter solche Erkenntnisse, die durch Verknüpfung und Entwickelung der Begriffe ohne Beihilfe der Erfahrung und sinnlichen Anschauung gewonnen werden können, und die man auch Verstandes⸗ oder Vernunfterkenntnisse im Gegensatz zu sinnlichen Wahrnehmungen nennt. In diesem Sinne bietet nicht bloß die Philosophie, sondern auch die Mathematik ein intellektuelles Wissen dar. Objekte der Erkenntnis, welche gar kein Gegenstand der Erfahrung werden können, heißen intelligibel, d. h. nur durch Denken erkennbar. Solche intelligible Objekte bezeichnen die Begriffe Gottes, des Geistes u. s. w. Intellektualismus oder Intellektualphilofophie nennt man diejenige philos. Weltanschauung, nach welcher die Objekte der wahren Erkenntnis nicht im Bereiche der sinnlichen Wahrnehmung liegen, sondern die Quelle des Wissens über sie allein in dem Verstande und der Vernunft zu suchen ist. Dem Intellektualismus steht der Empirismus (s. d.) und Sensualismus (s. d.) entgegen. Eine noch engere Bedeutung erhielt das Wort eintellektuello in den Systemen Fichtes und Schellings als Prädikat für die sog. intellektuelle Anschauung, unter welcher das oberste Prinzip alles Wissens verstanden wurde, für welches Fichte die absolute Spontaneität des Ich, Schelling die Identität aller Gegensätze in dem Absoluten erklärte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 630Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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