Archaismus (grch.) heißt der Gebrauch veralteter Worte oder Wendungen. Im allgemeinen verbietet der gute Geschmack die Archaismen. Indessen bedienen sich Dichter nicht selten derselben, um der Sprache mehr Kraft, Würde und Feierlichkeit zu verleihen (z. B. Klopstock), oder um alte Zeiten, die geschildert werden sollen, auch durch die äußere Sprachform dem Leser möglichst lebendig vorzuführen (3. B. Scheffel im «Ekkehardy). In scherzhafter Rede erzielen Archaismen nach dem Gesetz des Kontrastes leicht komische Wirkung (3. B. scher Sti. Stil (in der Kunst), s. Hieratischer Stil. rchangel oder Archangelsk, das — und nördlichste Gouvernement im europ. Rußland, südlich vom Eismeer mit dem tiefeindringenden Weißen Meere, östlich von Finland, nördlich von Olonetz und Wologda, westlich vom Ural gelegen, erstreckt sich von 61½ bis 70 nördl. Br. und von 46 ½ bis 84 östl. L. (von Ferro) und mißt mit Nowaja Semlja und andern Inseln des Eismeers 858561 qkm, zählt aber auf diesem Gebiete, das ungefähr 7,5 Ppel von ganz Europa umfaßt und mehr als doppelt so groß wie der preuß. Staat ist, nur (1879) 291 660 E. (0,34 auf 1 qkm). Abgesehen von den Westabfällen des Ural, den östl. Zweigen des norweg. Gebirgs und den Felshöhen der lappländ. Halbinsel Kola sowie von den isolierten Höhezügen des Pai-Choi und der Timanischen Berge (von 300 m Höhe), gehört das Land der osteurop. Tiefebene an, hat großenteils den Charakter des polaren Sibirien und ist reichlich bewässert durch die Petschora, den Mesen, die Dwina, den Onega und unzählige kleinere Flüsse, sowie besonders im westl. Teile durch sehr viele größere und kleinere Seen. Der Süden gehört der Region der Wälder und der Viehzucht an, aber nordwärts Lärch Tannen, Fichten, Birken, sibir. Cedern und ärchen nach und nach in kriechendes, dürftiges Gesträuch über. Strecken, die nur mit Renntierflechten überzogen sind, werden im Norden immer häufiger. Ungeheuere Landstrecken liegen völlig menschenleer. Etwa fünf Achtel des Areals sind ganz steriles Land, nahezu ein Drittel Wald; auf Kulturboden kommen kaum 880 àkm, auf Wiesen und Weiden nur 1700 qkm. Das Klima ist sehr rauh; die mittlere Winter danert 5 3 übersteigt niemals 2* C. Der Winter dauert 8 Monate und ist so streng, daß selbst das Meer gefriert; der kurze Sommer ist heiß, oft naß. Der kurzeste Tag dauert in der Hauptstadt 3 Stunden 12 Minuten. Loparen und Korelen leben im Kemskischen Kreise, Samojeden, Syrjänen und Ostjaken im Osten, Lappen im Westen, zwischen ihnen kolonisierte Russen. Die nd⸗ und Waßsen bilden Fischfang und Jagd auf and⸗ und Wasserpelztiere, Schwäne und andere Vögel, die auf den Seen nisten. Das wichtigste Polarfu ist der freilich an VII sehr abnehmende olarfuchs, selten ist der Blaue und Gemeine Fuchs, häufig der Wolf, seltener der Wald⸗ und Eisbär, Hermelin, Baummarder, Vielfraß, Flußotter, Eichhörnchen, Hase. Zobel, Biber und Clen sind fast ganz unde 20 Bedeutend ist die Jagd auf Robben, Seehunde, Walrosse und Delphine. Außerdem werden Schiffbau, Teer⸗, Leinen⸗, Matten⸗, Leder⸗ und Talgfabrikation betrieben. Der Handel mit den andern tädten Rußlands wird durch die Dwina und Onega vermittelt, auf denen Getreide, thönerne Geschirre und Eisenwaren ins Gouvernement geschafft werden. Das Gouvernement zer-Due in die acht Kreise A., Kem, Kola, Mesen, nega, Pinega, Cholmogory und Schenkursk. Vgl. Poschmann, (Beschreibung des Gouvernements von A.» (2 Bde., Archangelsk 1874).