FeedArchitekturmalerei
Bildende KunstBrockhaus 1882

Architekturmalerei nennt man denjenigen Zweig der Malerei, welcher die . von Baulichkeiten im künstleris der Sinne, d. h. also im Gegensatz zur Aufnahme derselben im technischen Sinne, zur Aufgabe hat. Sie gibt teils die äußere Ansicht der Bauwerke, teils die innern Räume derselben (sog. Intérieurs). Schon Vitruv erwähnt dieselbe, und in Pompesi finden sich Beispiele einer Architekturwandmalerei, welche jedoch nur dekorative Zwecke verfolgt. In den ital. Schulen des Mittelalters wurde bei der Darstellung der Heiligengeschichte erst sehr allmählich das Beiwerk sorgfältiger behandelt und neben der Landschaft auch die Darstellung von Architekturen als Hintergrund der histor. Scenen gebräuchlich. Hierzu liegen die ersten bedeutenden Anfänge in der Schule Giottos. Im 15. Jahrh. zeigt Benozzo Gozzoli da, wo die dargestellte Handlung im Innern der Städte oder der Wohnungen vorfällt, die reichste Phantasie für architektonische Gegenstände, indem er die mannigfaltigsten Hallen, nach außen durch Säulenstellungen geöffnet, zierliche Galerien u. s. w. in schönem ital.⸗got. Stile . Weniger phantastisch als dieser Künstler brachte Ghirlandajo städtische Architektur zugleich in ausgebildeter Perspektive an. Die ital. Schulen ahmten gelegentlich die Architektur der Kirchen oder Kapellen, für welche ihre Gemälde bestimmt waren, im Bilde perspektivisch verkürzt nach. Seit den eifrigen geometr. Studien eines Alberti, da Vinci, Fra Bacciolo und anderer Künstler der frühern Renaissance findet sich die Pflege der wpreende⸗ besonders beachtet und veranlaßt entsprechende Architekturmalereien eines Perugino, Botticelli, Lippi und anderer Quattrocentisten. Im Norden ist es die Eycksche Schule, welche biblische Scenen (Beschneidung, Darbringung im Tempel Widol) gern in got Kirchen geschehen darstellt. Den Pinturicchio ließ Papst Innocenz VIII. eine Reihe von Städteansichten malen. Indes blieben die mit miniaturartiger Sauberkeit behandelten profanen Gegenstände noch immer ein an die kirchlichen Stoffe gebundenes Nebenelement, bis sie sich im 16. Jahrh. in den niederländ. Schulen zur selbständigen Existenz und Gültigkeit loslösten. Die deutsche Schule des 16. N.95 „bekundet bereits ansehnliche Bestrebungen, die A. 2 Dackten zu machen; allerdings erscheint dabei die Darstellung von Gebäuden noch mehr als Sache der graphischen denn der malerischen Kunst. Der Nürnberger Paul Juvenel (1579—1643) zeichnet sich durch seine Intérieurs aus. Dann erscheint zu Ende des Jahrhunderts P. Neefs als eigentlicher Architekturmaler, der 93. Kürchen 1 in feiner Ausführung das Innere got. Kirchen veranschaulichte. In der Mitte des 17. Jahrh. blühte Steenwyck der Jüngere. Gefängnisse mit verschiedener Beleuchtung und Staffage (z. B. Petrus, der befreit wird) sind seine Gegenstände. Ganz der Darstellung profaner Baulichkeiten, auch ohne heilige Staffage, ergab sich van der Heijden. Andere Künstler, die bald das Innere kirchlicher Gebäude in prächtig ital. Stile, bald säulengetragene Paläste oder freundliche Wohnzimmer darstellten, sind Blick, van Deelen, E. de Ville, Johann Ghering u. a. Auch von Ruisdael rührt ein vortreffliches Architekturgemälde, eine innere Ansicht der Kirche zu Amsteram, her 1— 18. Jahrh. zeichneten sich der Venetianer Canale und dessen Neffe Bellotto (genannt Canaletto) durch ihre Stadtprospekte, besonders von venet. Kanälen, aus; auch der Prager Joseph Platzer (1752—1807) verdient erwähnt zu werden. Aus der neuern Zeit ist vor allen Schinkel zu nennen, der mit einer entschieden klassischen Richtung einen und rden Sinn für dekorative Wirkung verband und neben eigenen Schöpfungen, unter denen die Intérieurs der Poere zu Rom und des Doms von Mailand, sowie eine Anzahl kulturgeschichtlich interessanter ärchitektonischer Kompositionen hervorzuheben sind, auch zahlreiche Entwürfe zu Theaterdekorationen lieferte, welche Iniile (gest. 1854) und später Paul Gropius mit künstlerischer Vollendung ausführten. Des letztern Dioramen sind weltbekannt geworden. Aus Gersts tüchtiger Schule gingen unter n Architekturmaler hervor; der bedeutendste unter ihnen ist sein Schwiegersohn Graeb. Aus Gropius' Schule ist einer der vorzüglichsten Hasenpflug (gest. 1858). Derselbe malte gern alte Klostergänge in winterlicher Erscheinung. Die Genannten sind Vertreter der 10 Munel Vor ihnen hatte diese schon Domenico Buaglio (gest. 1837) in den N. wieder auf die Höhe ahe auf der sie bei den Niederländern stand, welche er noch in der Nusamnnn der Perspektive und in der poetischen Auffassung der Gegenstände zu übertreffen bemüht war. Unter den neuern münchener Künstlern steht Ainmiller obenan. Dann sind noch zu nennen: Mich. Neser, der im Sinne Quaglios mittelalterliche Bauwerke malt, ferner der Architekt Klenze, Wilh. Gail, welcher Innenräume, A. von Bayer (in Karlsruhe), der Kreuzgänge und Klöster darstellt, Vermersch (gest. 1852), E. Gerhardt, der seine Architekturen Spanien entlehnt, K. Mecklenburg und Kirchner. Aus der Düsseldorfer Schule sind hervorzuheben: der Architekt Wiegmann, Conrad, Pulian, welcher ten 1151. Partien aus alten rhein. und belg. Städten liebt, und Ludw. Tacke. Von berliner rchitekturmalern der Gegenwart sind noch zu nennen: Gärtner, Helfft, Graeb der Jüngere. Auch ist H. Gemmel in Königsberg zu erwähnen, ferner Grefe, Fischbach und Selleny in Wien, Nerly in Venedig. Eine besondere Stellung als geschickter Architekturmaler nimmt Rud. Alt ein. Ein sehr tüchtiger Meister ist endlich Karl Werner in 409e Unter den Franzosen gilt Granet (gest. 1849) als der gefeiertste Architekturmaler neuerer Zeit. Bei der Beliebtheit der Aquarellmalerei (s. d.) fanden sich in ren in Wassr Künstler veranlaßt, auch Architekturen in Wasserfarben darzustellen. Man besitzt hierin aune V Leistungen von Ouvrié, Garnerey, Rochebrune, Villeret. In England glänzen als Architekturmaler: Prout (gest. 1852) mit Ansichten aus Italien, Deutschland u. s. w.; Nash Roberts, der Spanien und den Orient besucht hat und dortige Architekturen mit großer Wahrheit zur Anschauung bringt; Mackenzie, Goodall, Williams. Auch der vielseitige Turner gehört hierher sowie Haghe, Callcott, Callow, Bonington, Robson, Edridge, Davidson und viele andere. Unter den Italienern zeichnet sich neben andern Migliara aus. Von den Holländern und Belgiern verdienen Erwähnung: Waldorp, Larsen, Bosboon, van Haanen, ten Kate, Springer, Bossuet van Pper, Stroobant, van Moer; von Spaniern: Gonsalvo und Tomé.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 854Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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