FeedBarfuß (Hans Albr., Graf von)
GeschichteBrockhaus 1882

Barfuß (Hans Albr., Graf von), preuß. Generalfeldmarschall, geb. 1635, entstammte einer altbrandenb. Familie, und bildete sich in den Kriegen des Großen Kurfürsten und seines Nachfolgers, des ersten Königs, zu einem der tüchtigsten brandenb.⸗ preuß. Offiziere aus. Sein erstes größeres Kommando als Oberst erhielt er im Kriege Friedrich Wilhelms gegen die Schweden um den Besith Neuvorpommerns 1678, wo er im Herbst an der Expedition nach Rügen und der Eroberung Stralsunds teilnahm. Im J. 1683 führte er als Generalmajor ein kleines Korps gegen die Türken und kämpfte mit Sobieski bei Gran. Größere Erfolge noch errang er 1686 in dem Korps, das unter dem Oberbefehl des Generallieutenants von Schöning bei der Belagerung Ofens mitwirkte. B. führte bei dem Hauptsturm am 12. Sept., dem die Festung erlag, den linken Flügel der Sturmkolonne. In dem zweiten Koalitionskriege gegen —½ XIV. kämpfte B. unter den Augen Kurfürst Friedrichs III. selbst am Rhein; die Erstürmung Bonns (Okt. 1689) ward nach seinen Dispositionen ausgeführt. Im J. 1691 führte er als Oberbefehlshaber ein neues Hilfskorps von 6000 Mann dem Kaiser gegen die Türken zu, das den Sieg bei Salankemen (Aug. 1691) entscheiden half; ein Erfolg, der ihm die Würde eines Generals der Infanterie verschaffte. Er ward noch Oberkriegspräsident, Feldmarschall, Reichsgraf und einer der ersten Ritter des Ordens vom Schwarzen Adler, aber seine kriegerische Thätigkeit war wesentlich zu Ende. Um so lebhafter beteiligte er sich an den Cabalen und Intriguen, die das Hofleben unter dem Sohne des Großen Kurfürsten erfüllten. B. hat neben andern den allmächtigen Minister von Dankelmann 1697 zu Fall gebracht. Er hatte gedott selbst dadurch an die Spitze der Geschäfte zu ommen, mußte aber bald neben dem gewandten Höfling Kolb von Wartenberg zurücktreten, dem es sogar gelang, ihn schließlich (1702) ganz vom Hofe und aus der Armee zu verdrängen. B. starb auf seiner Besitzung Kossenblatt bei Beeskow 27. Dez. 1704. Vgl. von Barfuß-Falkenberg, «Hans Albrecht, Graf von B.y (Berl. 1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 481Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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