FeedBegriff
Recht & StaatBrockhaus 1882

Begriff heißt im allgemeinen Sinne jeder Gedanke oder jedes Gedachte, insofern wir es mit Rückcht auf das, was in ihm gedacht wird, d. h. in ücksicht auf seinen Inhalt betrachten. In diesem Sinne sind B. Aufgaben des Denkens, und die Bedingungen, unter welchen ihre Lösung als erreicht angesehen werden kann, auseinanderzusetzen, ist ache der Logik. Diese unterscheidet an einem B. seinen Inhalt (complexus notarum) und Ruerk-Umfang (ambitus). Jener 13. in seinen Merkmalen, d. h. in den gach, bon durch welche der B., falls er nicht einfach, sondern zusammengesetzt ist, gedacht wird; dieser bezeichnet die Menge von „in welchen ein gewisser B. als Merkmal vorkommt. Das findet natürlich nur bei solchen B. statt, welche in einer Reihe besonderer Vorstellungen enthalten sind, d. h. bei den B. im engern Sinne oder diskursiven B., den Gattungsbegriffen. Je 7½ der Inhalt eines B. ist, desto kleiner ist sein Wher und umgekehrt. Das logische Verfahren in der Bildung neuer B. aus schon bekannten und gegebenen ist entweder Abstraktion oder Determination (s. d.). Durch *. entstehen allgemeine, abstrakte, durch diese besondere, konkrete B.; liegen beide in einer und derselben Reihenfolge, entsteht daraus das Verhältnis der Üüber⸗ und Unterordnung (subordinatio). Die übergeordneten B. nennt man auch die tershei die untergeordneten die niedern, und unterscheidet sie durch die Worte Gattung, Art und Unterart. Durch Hinzufügung neuer determinierender Merkmale werden die B. —n hei gebildet; die Duneh diese schon gegebener B. heißt analytisch. Durch diese Zergliederung, d. h. durch das bestimmte Vorstellen aller in einem B. vereinigten Merkmale, wird der B. deutlich. Die Deutlichkeit ist Klarheit der Merkmale, indem die Klarheit eines B. darauf beruht, daß man ihn von andern verwandten unterscheiden kann. Das Gegenteil der Klarheit ist Dunkelheit, das der Deutlichkeit Verworrenheit. Die Unterscheidung zwischen empirischen B., Verstandesbegriffen und Vernunftbegriffen beruht nach der Kants en Philosophie auf dem Umstande, daß wir die eine Klasse von B. nur mit Hilfe der Erfahrung gewinnen, während die beiden andern Klassen das ursprüngliche Eigentum des Verstandes und der Vernunft, wie z. B. die B. der Ursachen, der Freiheit und der Unendlichleit sein Ufe 33 der Hegelschen Philosophie hat das Wort die Bedeutung des Wesens oder der wirksamen Kraft in allen Dingen. Es beruht dieses auf der im Hegelschen System erneuerten Platonisch-Aristotelischen Denkweise, * welcher die Grundgesetze des Seins und Denkens dergestalt zusammenfallen, daß das Raber oder Absolute in einer reinen und allemeinen oder alldurchdringenden denkenden Thätigit besteht, aus welcher sich dur ursprüngliche lebendige oder Ia himdir Akte alles, was ist, hervorentwickelt. B. in diesem Sinne sind nicht aus der Erfahrung abstrahiert, sondern liegen der Erfahrung zu Grunde als Ideen oder logische Grundnormen, welche zu allem übrigen die Bedingung und gleichsam das tragende Untergebälk enthalten. Sondert man hingegen den reinen Begriffsinhalt des Verstandes von dem ab, was in unsern gewöhnlichen B. aus der bloßen Erfahrung stammt, o bildet der letztere Rest für sich allein die sinnlichen Psychologie, welche nicht mit den vollständigen Erahrungsbegriffen verwechselt werden dürfen, weil ie erst den sinnlichen esem enthalten, aus welchem das Denken durch gesetzmäßige Durchdringung mit den reinen Verstandesbegriffen oder Kategorien die zur wissenschaftlichen Erkenntnis tauglichen Erfahrungsbegriffe gewinnt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 694Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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