Calixtiner, vom lat. calix, d. h. Kelch, weil sie denselben bei der Kommunion auch für die Laien forderten, oder Utraquisten, weil sie das Abendmahl sub utraque specie, d. h. unter beiderlei Gestalt, den Laien zu reichen verlangten, wurden im Gegensatze zu den Taboriten (s. d.) die gemäßigten Hussiten genannt, welche über Huß und Jacobellus im wesentlichen dt hinausgingen. Da die Universität und Stadt Prag ihren Mittelpunkt bildete, wurden sie auch vielfach die Prager v genannt. Gegenüber den 14 Artikeln der Taboriten vom J. 1420 und gegenüber der kath. Kirche stellten sie als sßt, sind unter K aufzusuchen. Glaubensbekenntnis 1421 folgende vier Prager Artikels auf: 1) Das Wort Gottes soll in Böhmen frei und ohne Hindernis von den Priestern verkündigt werden; 2) das Sakrament des heiligen Abendmahls soll unter beiderlei Gestalt, des Brotes und des Weines nämlich, allen von keiner Todsünde behafteten Christen frei dargereicht werden nach der Einsetzung des Erlösers; 3) die weltliche Herrschaft und zeitliche Güter, welche der Klerus gegen Christi Vorschrift zum Schaden seines Amts und zum achteil der weltlichen Macht besitzt, soll ihm Den Zurkad und die Geistlichkeit zum apostolischen Leben I die geführt werden; 4) alle Todsünden, vornehmlich die öffentlichen Unzucht, Simonie u. s. w.), und andere dem Gesetze Gottes widerstreitende Unordnungen sollen in jedem Stande der Sitte und Vernunft gemäß durch die zuständigen Gewalten verboten und abgestellt werden. Als der He die Katholiken ununstige Verlauf der Hussitenkriege (1420—31) eine friedliche Pinpftedas mit den Hussiten unabweisbar machte, knüpfte das Baseler Konzil1431 mit ihnen ernstliche Verhandlungen an. Dieselben führten dahin, daß am 30. Nov. 1433 die sog. Prager Kompaktaten abgeschlossen wurden, in welchen die Kommunion unter beiderlei Gestalt allerdings zuestanden, aber 3 Wortes 9. betreffs der kreien Berkündigung des Wortes Gottes, der weltlichen Macht des Klerus und der Sittenzucht ziemlich beseitigt ward. Diese Kompaktaten wurden nur von der mildern Partei angenommen; es kam zur Spaltung und die Taboriten wurden 30. Mai 1434 bei Böhmisch-Brod völlig geschlagen. Um die Mitte des 15. Jne lösten sie als eigene Religionspartei sich auf, die C. gewannen die Herrschaft und die Kompaktaten wurden vom Landtage zu Iglau 5. Juli 1436 feierlich bestätigt. Zugleich ward unter gewissen Bedingungen Sigismund von Ungarn als König von Böhmen anerkannt. Ihm folgte 1437 —39 Albrecht II., nach dessen Tode große Verwirrung eintrat, welche die C. so geschickt benutzten, daß ihr Gubernator Geor Gerlart 1458 König von Böhmen ward. Freilich erklärte Pius II. am 31. März 1462 die Kompaktaten für aufgehoben und wollte Georg nur dann als König anerkennen, wenn derselbe sich verpflichte, die Ketzerei in Böhmen auszurotten, aber der unternommene Kreuzzug ward glänzend abgeschlagen. Auch Georgs kath. Nachfolger, der poln. Prinz Ladislaw II. (1471— 1516), mußte in der Vereinbarung zu Kuttenberg 1485 bie genaue Beobachtung der Kompaktaten versprechen. Der Reichstag vom J. 1512 verlieh Utraquisten und Katholiken volle Luch unter den G-Nach Luthers Auftreten vollzog sich unter den C. eine Scheidung; die einen kehrten allmählich zur kath. Kirche zurück, die andern schlossen sich dem Protestantismus an und vereinigten sich im J. 1575 mit den Protestanten auf Grund der Confessio Bohemica. — Auch wird der Name C. öfter auf die * des Georg Calixtus (s. d.) angewandt. nur drei als solche in der röm. Kirche anerkannt sind. — C. I., der Heilige (leigentlich Kallistus), Bischof von Rom von 217—222, ist erst neuerdings durch die sog. Philosophumena v des Hippolytus (s. d.) bekannter geworden. Er war Sklave eines Geiil. Beamten Kargophorus, führte ein Wechslergeschäft, und ward nach dem Verlust ihm anvertrauter Gelder zur Strafe in die Tretmühle gesperrt. Später ward er wegen Streites mit den Juden zur Zwangsarbeit in die Bergwerke Sardiniens abgeführt. Auf Verwendung der Geliebten des Kaisers Commodus, Marcia, befreit, ward er unter Zephyrinus Priester und nach dessen Tode Bischof. So erzählt sein Gegner Hippolytus der ihn des Aadung der Bunpr und zu großer Milde in Anwendung der Bußpraxis beschuldigt. Vgl. Döl⸗ — C. II., 1119—24, vorher Guido, Graf von Burgund, und, ehe er Papst wurde, Erzbischof von Vienne und Legat in Frankreich, schloß nach heftien Kämpfen 1122 mit Kaiser Heinrich V. das ormser Konkordat ab, welches auf dem areh r Laterankonzil 1123 feierlich bestätigt ward. Dadurch wurde der mehr als 50jährige Investiturstreit („. d.) und. 22t und bestimmt, die Wahlen der Bischöfe und Abte in Deutschland sollten frei und kanonisch sein und unter Aufsicht des Kaisers, aber ohne Gewalt und Simonie geschehen; der Gewählte sollte vom Kaiser die Belehnung mit den weltlichen Gütern durch das Scepter, vom Rung die Verleihung des geistlichen Amts durch Ring und Stab erhalten. — C., eigentlich Johann Unghieri, Kardinal-Bischof von Tusculum, war der dritte Gegenpapst, den Kaiser Friedrich I. seinem Feinde Alexander III. 1168 entgegenstellte, aber im Frieden zu Venedig 1177 preisgab, worauf C. Statthalter von Benevent wurde. — C. III., vorher Alfonso Bor10 war vor seiner Erhebung auf den päpstl. Stuhl ischof von Valencia und lange Zeit Rat des Königs Alfons von Aragonien und beider Sicilien. Als solcher schloß er die Friedensverträge mit Caden 2 und dem Papste Eugen IV., wodurch er sich en Weg zur Kardinalswürde bahnte. Als bec. cher Greis von 77 Jahren 1455 zum Papste gewählt, betrieb er vor allem einen Kreuzzug gegen die Türken. Durch dreimal tägliches Läuten der Glocken ließ er die ganze Christenheit zur Fürbitte auffordern, auch große Geldsummen wurden gespendet, aber die Fürsten versagten ihre Beihilfe und die vom Papste ausgerüstete Flotte kehrte ohne Erfolg zurück. In Italien machte sich C. durch maßlosen Nepotismus verhaßt. Er starb 6. Aug. 1458. Charakteristisch für seine Grundsätze war es, daß er den Rat des Kurfürsten von Brandenburg, Dr. Knorr, durch Aneas Sylvius provisorisch des Eides der Treue gegen seinen Herrn entbinden ließ, um ihm Gefälligkeiten abzugewinnen, die dieser mit seiner Dienstpflicht unverträglich fand. ö‚