FeedDetmold (Joh. Herm.)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Detmold (Joh. Herm.), Mitglied der Deutschen Nationalversammlung von 1848 bis 1849 Nund feiner Kunstkenner, geb. 24. Juli 1807 zu Hannover, besuchte das Gymnasium daselbst und widmete sich dann zu Göttingen und Heidelberg jurist. Studien. Im 1830 ließ er sich zu Hannover als Advokat nieder. Zum Deputierten der Stadt Minden gewählt, beteiligte er sich an allen Schritten zur Aufrechterhaltung des Grundgesetzes. In der Bewegung von 1848 wählte ihn ein osnabrückischer Wahlbezirk in die Deutsche Nationalversammlung, in welcher er anfangs zu der nachmaligen Centrumspartei (Dahlmann, Gagern, Bassermann u. s. w.) hielt. Doch trat er dieser bald entschieden gegenüber und bildete unter der nach dem 18. Sept. 1848 eingetretenen schärfern Parteisonderung mit Radowitz, Vincke u. a. die kleine Fraktion der sog. äußersten Rechten. Als Mitglied des Verfassungsausschusses gehörte D. zu den wenigen, die sich der Aufstellung der Grund—⸗ rechte und dem Verfassungsentwurfe widersetzten, wie er überhaupt einer Reorganisation Deutschlands durch die Nationalversammlung feindlich gesinnt war. Als im Mai 1849 nach Gagerns Rücktritt, alle Versuche des Reichsverwesers zur Herstellung eines neuen Ministeriums scheiterten, entschloß sich D. zur Bildung desselben und übernahm das Portefeuille der Justiz, wozu er nach Grävells Austritt auch noch das des Innern erhielt. Allen Versuchen, ihn und den Reich Sverweser zum Rücktritt zu bewegen, setzte er beharrlichen Widerstand entgegen, bis endlich der Reichsverweser selbst 21. Dez. 1849 seine Vollmacht der Bundescentralkommission übergab. D. ging nach Hannover zurück, wurde aber bald vom Könige zum Bevollmächtigten bei der provisorischen Bundescentralkommission, nachher zum Gesandten beim reaktivierten Bundestage ernannt, wo er eifrig im Sinne der Restauration wirkte. Durch das Ministerium Münchhausen von seinem Posten abberufen, kehrte er im Juli 1851 nach seiner Vaterstadt zurück. Hier starb er plötzlich 17 „März 1856. Litterarisch hat sich D. durch die kleinen Schriften: «Anleitung zur Kunstkennerschafto (Hannov. 1833; 2. Aufl. 1845), 4 Randzeichnungen» (1. u. 2. Aufl., Braunschw. 1843) und Thaten und Meinungen des Herrn Piepmeier v (Frankf. 1849) bekannt gemacht, die ein bedeutendes satirisches Talent bekunden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 101Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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