FeedDietrich der Bedrängte
GeschichteBrockhaus 1882

Dietrich der Bedrängte, Markgraf von Meien, der zweite Sohn des Markgrafen Otto des eichen (s. d.) und Hedwigs, einer Tochter des Markgrafen Albrecht des Bären von Brandenburg, wurde mit seinem ältern Bruder, dem nachmaligen Markgrafen Albrecht dem Stolzen (s. d.), dadurch entzweit, daß seine Mutter den Vater gegen dessen vorher ausgesprochenen Willen bestimmte, die Erbolge dahin abzuändern, daß D. die Markgrafschaft keißen, Albrecht dagegen, obschon der ältere Sohn, nur die Grafschaft Weißenfels erhalte. Nachdem nun Albrecht den Vater mit Gewalt gezwungen hatte, die ursprünglich beabsichtigte Erbfolgeordnung wiederherzustellen, und ihm 1190 in der Markgrafschaft Meißen gefolgt war, griff er seinen Bruder D. in Weißenfels an; doch erhielt dieser Hilfe vom Landgrafen Hermann I. von Thüringen, dessen Tochter Jutta er 1194 heiratete. Albrecht ward bei Allstädt geschlagen, worauf er nach Italien eilte, um dort den Kaiser wegen seines Landfriedensbruchs zu versöhnen. Als D. dann 1195 eine Wallfahrt nach Palästina machte, starb Albrecht kinderlos, und D. war unbezweifelt dessen Nachfolger. Darauf nahm Kaiser Heinrich VI. die Markgrafschaft Meißen sofort in Besitz, sodaß D. nur verkleidet im Spätherbst 1196 in die Heimat zurückkehren und erst nach des Kaisers Tode 1197 sich mit Gewalt der Waffen in den Besitz seines Erbes setzen konnte. d dem Kampfe der Gegenkönige Philipp von waben und Otto von Braunschweig stand D. auf Philipps Seite. Nach dem Tode desselben söhnte er sich zwar mit Otto aus, fiel aber dann wieder von ihm ab und wendete sich den Hohenstaufen zu. Viel Verdruß hatte er mit den Leipzigern, mit denen er sich zunächst wegen des Baues des Thomasklosters 1212 verfeindete. Nachdem sie sich mit einem Teile des meißnischen Adels, der dem Markgrafen wegen seiner uucht boldr Anhänglichkeit an die Mönche ebenfalls nicht hold war, zum Aufstande vereinigt hatten, belagerte er 1216 Leipzig vergebens, verstand sch dann duen zu einem Vergleiche, bemächtigte sich aber durch List Leipzigs, ließ die Stadtmauern niederreißen und drei Burgen anlegen, um die Bürger im Zaume zu halten, die er gleich dem Adel mit harten Strafen belegte. Auf socche Weise konnte aber der Haß seiner Unterthanen gegen ihn sich nur mehren, und wohl mag der Verdacht nicht unbegründet sein, daß 9 6 Anstiften der Leipziger und des Adels ihm durch seinen Leibarzt Gift beigebracht worden sei, an dem er 17. Febr. 1221 starb. Von seinen Söhnen folgte ihm in der Regierung der jüngste, Heinrich der Erlauchte (s. d.). Conversations-Lexikon. 13. Aufl. V.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 337Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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