FeedEchternach
ErdkundeBrockhaus 1882

Echternach, Stadt und Hauptort des gleichnamigen Kantons im Großherzogtum Luremburg, un rechten Ufer des Moselzuflusses Sauer oder Sure, gegenüber von Echternacherbrück, mit dem es eine alte Brücke verbindet, an der preuß. Grenze und an der Prinz-Heinrich-Eisenbahn, 15 Em nördlich von Grevenmachern, hat ein Aial Ler Darmt eine höhere Töchterschule, ein Hospital der Barmherzigen Schwestern, eine schöne Pfarrkirche und eine ehemalige Benediktinerabtei mit prachtvoller Basilika. Die Stadt zählt (1880) 3910 kath., sehr gewerbfleißige E., welche Damast und Wollzeuge fabrizieren, Gerbereien, Fayencefabriken, Ziegel⸗, Kalk⸗ und Weißbrennereien, Bierbrauereien, Kutschenfabriken, Eisengießereien, Mehl⸗, Loh⸗, Ol⸗, Schneide- und Gipsmühlen unterhalten und lebhaften Handel, sowie Wein- und Hopfenbau treiben. Auch besteht hier im frühern Benediktinerkloster eine großherzogl. Porzellanmalerei. Ehemals gehörte die Stadt der Benediktinerabtei, deren Abt deutscher Reichsfürst war, die aber 1793 von den Franzosen aufgehoben wurde. Das Kloster bestand schon 698 unter der geistlichen Pflege des Friesenapostels Willebrord, der als erster Abt bezeichnet wird und 739 als Bischof von Utrecht starb. Die Stadt erhielt 1236 den ersten Freibrief und war bis zum J. 1688 Festung. Berühmt ist die zu E. alljährlich am Pfingstdienstage ausgeführte ren des Beitstan sion, ein Dankfest für das Aufhören des Veitstanzes, der im Mittelalter in dieser Gegend herrschte. Die Teilnehmer an der Feierlichkeit, durch festgehaltene Tücher verbunden, führen, unter Begleikung der Geistlichkeit und zahlreicher Musikanten, auf ihrem Zuge von einer bei der Stadt befindlichen Wiese bis zur Pfarrkirche die Prozession in der Weise aus, daß sie jedesmal nach drei vorwärts gethanen Schritten zwei Schritte zurückspringen. So geht es um den Altar herum, auf welchen jeder seine Spende niederlegt. Die Zahl der Springenden be⸗ —7 jedes Jahr über 10000, 1867 sogar 15000. Vgl. Sax, Beitrag zur Geschichte der Abtei und Stadt CE. (Luxemb. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 723Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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