FeedEselsfeste
ReligionBrockhaus 1882

Eselsfeste nannte man die seit dem 9. ühnach in Frankreich, Italien und Spanien zu Weihna ten zu Ehren des Esels, auf welchem Christus in Jerusalem einzog, und im Juni zu Ehren des Esels, auf welchem Maria mit dem Kinde nach Agypten flüchtete, gefeierten religiösen Volksfeste. Meist fanden diese Feste in der Weise statt, daß ein als Geistlicher angeputzter, zum Knien abgerichteter Esel vor den Altar geführt und hier eine Messe gehalten wurde, bei der an die Stelle des Amen durchgehends ein a trat. In Rouen wurde der Esel in die Kirche geführt, um, in Anknüpfung an die Geschichte von Bileams Esel, durch den Mund eines zwischen seinen Füßen versteckten Priesters die Geburt Christi vorherzusagen, in Beauvais trug er zur Erinnerung an die Flucht nach Agypten eine Jungfrau mit dem Kind vor den Altar. Die Feste gaben zu allerlei Unfug Veranlassung, erhielten sich aber aller Verbote ungeachtet hier und da bis ins 15. Jahrh.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 356Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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