FeedEudoxia
GeschichteBrockhaus 1882

Eudoxia oder Cudokia (Makrembolitissa), die Tochter eines vornehmen Byzantiners, des Johs. Makrembolitos, der unter der Regierung des Kaisers Michael IV. des Paphlagoniers, eine bedeutende Rolle gespielt hatte, war berühmt durch ihre Schön7 ihre Gelehrsamkeit und ihre feine hellenische ildung, und wurde die zweite Gattin des Konstantin Dukas, der später 1059 n. Chr. als Konstantin X. den byzant. HA bestieg. Sie gebar ihm sechs Kinder. Als derselbe im J. 1067 sein Ende nahe fühlte, ernannte er sie zur Regentin, nahm ihr aber das schriftliche Versprechen ab, niemals wieder heifraten zu wollen, welches in die Hände des Patriarchen Johs. Xiphilinos gelegt wurde. Als nun aber nicht lange nach seinem Tode die Lage des Reichs eine kräftige Leitung nötig machte, überlistete E., die sich in den wegen ehrgeiziger Absichten auf den Thron verurteilten, von ihr aber begnadigten, ritterlich schönen General Romanos Dioge-Unes verliebt hatte, den Patriarchen derart, daß er ihr das Schriftstück zurückgab. Dann nahm sie (die übrigens das 40. Lebensjahr schon erheblich überschritten hatte), in den letzten Tagen des J. 1067, den Romanos (IV.) zum Gatten. Trotz aller Tüchtigkeit vermochte aber der neue Regent weder der gegen ihn am Hofe gesponnenen Wer Seld noch der das östl. Kleinasien verheerenden Seldschuken Meister zu werden. Und als Romanos im J. 1071 in der Schlacht bei dem armen. Mantzikert besiegt und in die Gefangenschaft des seldschukischen Sultans Alp Arslan gnallen war, setzte die Gegenpartei vom Hofe es durch, daß neben E. ihr ältester Sohn Michael VII. als Regent in den Vordergrund gestellt wurde. Als dann die Großmut Alp Arslans seinem besiegten Gegner unter billigen Bedingungen die Freiheit wiedergab, wollten die Feinde des Romanos, namentlich der gelehrte Intrigant Michael Psellos und der Schwager der Kaiserin, der Cäsar Johs. Dukas, die E. zwingen, den Romanos der Herrschaft für verlustig zu erklären. Da sie sich dessen weigerte, wurde sie durch Dukas verhaftet und als Nonne in das von ihr erbaute Marienkloster am Bosporus gesperrt. Gegen den zurückkehrenden Romanos IV. eröffnete Dukas für Kaiser Michael VII. in Kleinasien den Bürgerkrieg, in welchem E.s Gatte einen entsetzlichen Untergangfand. Die gestürzte Kaiserin, welche sich nun gänzlich den von ihr seit alters eifrig betriebenen gelehrten Studien hingab, überlebte ihre Entfernung von der Regierung noch um 25 Jahre. Das ihr lange zugeschriebene, unter dem Namen Jonias oder Violariumo bekannte histor.mythol. Wörterbuch wird ihr (und ihrer Zeit) durch die moderne Kritik entschieden abgesprochen. Vgl. H. Flach, »Die Kaiserin C. Makrembolitissa; eine Skizze aus dem byzant. Gelehrtenleben des 11. Jahrh.» (Tüb. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 412Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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