FeedFlaxman (John)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Flaxman (John), engl. Zeichner und Bildhauer, geb. 6. Juli 1755 zu York, besuchte vom 15. Jahre an die königl. Akademie, die er aber bald wieder verließ. Er verheiratete sich 1782 mit Anna Denman, die den wohlthätigsten Einfluß auf seine Studien gewann. Von ihr begleitet, ging er 1787 nach Italien, wo er nach und nach in Rom die Aufmerksamkeit aller Kunstfreunde auf sich dehr Noch mehr war dies der Fall nach seiner Rückkehr nach London 1794, wo er 1810 Mitglied der königl. Akademie und Professor der Bildhauerkunst an derselben wurde. Im J. 1820 verlor er seine Gattin durch den Tod; er selbst starb 9. Dez. 1826. Am berühmtesten sind seine Umrisse zu Homers Odyssee (Rom 1793) und Ilias (Lond. 1795); ferner die Zeichnungen zu Dante und die Blätter zu Aschylus. Seine Arbeiten wurden in Deutschland, namentlich durch Riepenhausen, Schnorr u. a., wie in Frankreich ((Oeuvres complèteso, Par. 1832) wiederholt. In manchen seiner Arbeiten zeigt sich eine überraschende Größe der Komposition und ein reiner, edler Stil. Er war einer der ersten von denen, die nach Winckelmanns Vorgang in den Geist der antiken Kunst einzudringen suchten, im Gegensatz zu der falschen Klassizität, welche die Zeit beherrschte. Besonders hatte ihn das damals erwachende Studium der Vasenbilder und der pompejanischen Wandgemälde von der weichlichen Manier seiner Vorgänger auf strenge Einfachheit, allerdings nicht selten auch bis zur komisch wirkenden Nüchternheit zurückgeführt, wie namentlich die affektierte Ascetik seiner Dante-Kompositionen beweist. Seine sechs Bitten sowie Ugolino haben auch in Deutschland Popularität erlangt. Von seinen plastischen Werken sind in England besonders bekannt das Basrelief zum Andenken des Dichters Collin in der Kirche zu Chichester, das Denkmal des Lord Mansfield und das der Familie Baring zu Micheldever in Hampshire. Viel bewundert wurde sein Modell zu dem Schilde des Achilles nach dem 18. Buche der Ilias. Das Original, in Gold getrieben, besaß König Georg V. von Hannover. Von seinen kunsttheoretischen Schriften sind seine Lectures on sculptures (Lond. 1829; neue Ausg. 1838) besonders zu erwähnen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 880Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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