FeedFraktur
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Fraktur (d. i. gebrochene Schrift) nennt man die in chihrese Druckwerken ubliche Schrift, welche de durch ihre scharf gebrochenen Ecken von der runen röm. Schrift (Antiqua, s. d.) unterscheidet. Sie entstand Anfang des 16. Jahrh. zu Nürnberg, wo eine Schule von Schönschreibern, Modistenv genannt, unter Meister Paul Fischer blühte. Von seinen Schülern wurde Vincenz Rockner Hofsekretär Kaiser Ma-Dchenme I., ein anderer, Johann Neudörfer, war echenmeister und Schönschreiber zu Nürnberg und Lehrer der Hoffekretäre des spätern Deutschen Kaisers. Die Grundlage der F. war die Briefschrift des 15. Jahrh. (. Buchdruckerkunst, Bd. III, S. 655, Nr. 3), welche in Deutschland, Frankreich und England ziemlich gleichmäßig war und von den Franosen Bastarde genannt wurde, da sie von der halbgot. Buchschrift (s. Buchdrucker kunst, Nr.1) abstammte. Die nürnberger Kanzleischrift übertraf die franz. Bastarde an Zierlichkeit, und die Inschriften der großen Ehrenpforte für Kaiser Maximilian, welche von Neudörfer vorgeschrieben und von dem Formschneider Hieronymus Andrä in Holz geschnitten waren, gefielen dem Kaiser so, daß er befahl, den berühmten Theuerdank mit diesen Typen zu drucken und dieses Werk mit Le Deum laudamus signierte. Hieronymus Andrä schnitt noch mehrere Sortimente dieser Schrift und vereinfachte dabei ihre Formen, 1525 druckte Albrecht Dürer damit seine Unterweysung der Messung mit dem Cirkelo, und von nun an ging diese Schrift . in andere Bücher, zuerst als Titelschrift in Schwabachertexten über; später gestaltete si das Verhältnis um und die F. wurde Textschrift, während die Schwabacher zur Überschrift verwendet wurde. Seltsamerweise wurde diese Schrift nie zu lateinischen Wörtern verwendet, und schon im 16. NbN findet man die ausschließliche Verwendung der Antiqua zu lateinischen, die F. zu deutschen Wörtern, z. B. In Frankreich konnte die Frakturschrift um so weniger Eingang finden, als hier die tonangebenden Buchdrucker (Jodocus Badius, Simon de Colines, Robert Estienne, Michael Vascosan) selbst die früher häufig verwendete got. Schrift während ten und die Antiqua bevorzugten, während einzelne schüchterne Versuche, die Bastarde zu Büchern zu verwenden, erfolglos blieben. Ebenso wurde in Italien und England die Antiqua allgemeine Bücherschrift. In Holland wurde die F. (hier Hoogduits enannt) eine Zeit lang * Romanen und ReisebesGreöbungen verwendet, doch bald durch die Antiqua verdrängt. denaf⸗ bürgerte sich die F. in den nordischen und den lat.⸗slaw. Ländern, da diese ihre Typen von deutschen Schri tgießereien bezogen, ein. Im 18. Jahrh. büßte die F. an Schönheit und Ansehen ein und es erhob sich auch in Deutschland eine Agitation gegen dieselbe. Erst zu Anfang des 19. Jahrh. erfuhr sie durch Walbaum und Krebs eine Reform und größere Zierlichkeit; aber zugleich verlor sie im Auslande den Boden, Schweden und teilweise auch Dänemark wendeten sich der Antiqua zu, ebenso die lat.⸗slaw. Völker und in Deutschland sprachen sich die Gebrüder Grimm gegen sie aus. Gegenwärtig werden in Deutschland etwa 60 Proz. der wissenschaftlichen Werke mit Antiqua gedruckt, doch herrscht die F. noch in Zeitungen, Romanen und Volksschriften unumschränkt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 59Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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