FeedFriedrich
GeschichteBrockhaus 1882

Friedrich, mit der leeren Tasche genannt, Herzog von Österreich-Tirol, geb. 1382, erhielt aus dem Nachlasse seines Vaters Leopold III. von seinen Brüdern 1404 die Mitverwaltung, 1406 die alleinige Herrschaft in Tirol und 1411 auch die in Vorderösterreich Bichdie, Dort hatte er die hohen Adeligen und die Bischöfe, hier den Bund aob dem Seev gegen sich, der nach Unabhängigkeit strebte gleich den Eidgenossen, mit denen F. übrigens auch schlecht stand. Von den Appenzellern war er schon 17. Juni 1405 am Stoß besiegt worden. Alles erhob sich gegen ihn, als er (März 1415) gegen das Konzil dem Papst Johann XXIII. zur Flucht aus Konstanz ** und diesen bei sich in Schaffhausen aufnahm. Von Bann und Acht getroffen, ab er freilich den Papst bald auf und unterwarf si dem Könige Sigismund; da er jedoch bei demselben nicht Verzeihung fand, flüchtete er (März 1416) zum zweiten mal aus Konstanz und gelangte unter mancherlei Abenteuern nach Tirol, wo sich die vom Adelsregiment gedrückten Bauern begeistert für ihn erhoben. Und mit Hilfe der Bauern wußte F. si zu behaupten sowohl gegen Sigismund, welcher sich 1418 mit ihm versöhnt, als auch gegen die trotzigen Adelsgeschlechter, welche nach und nach ihm erlagen. Er kam auch zu Gut und Geld, sodaß die Sage ihn dem Schlosse in Innsbruck ein goldenes Da aufsetzen läßt. Die meisten vorderosterr. Lande in der heutigen Schweiz waren freilich in jenen schlimmen Jahren an die Eidgenossenschaft verloren gegangen. Gegnern der Böse Fritz genannt, Kurfürst von der Pfalz 1451—76, geb. 1425, der zweite Sohn Ludwigs III. oder des Bärtigen, erbte nach seines Vaters Tode 1439 einige Teile der pfälz. Länder, überließ aber dieselben freiwillig seinem ältern Bruder, dem Kurfürsten Ludwig IV., der sie mit dem Kurfürstentum vereinigte. Als Ludwig IV. 1449 mit Hinterlassung eines minderjährigen Sohnes von 13 Monaten, Namens Philipp, starb, wurde F. Vormund und Administrator des Kurfürstentums. Zunächst hatte sich F. der unruhigen und fehdelustigen Nachbarn der Pfalz, besonders Mainz und der Grafen von Lützelstein, zu erwehren, welche Grenzstreitigkeiten anfingen oder verheerende Einfälle und Raubzüge in die Pfalz unternahmen. Da F. einsah, daß nur der Besitz der wirklichen landesherrlichen Hoheit und Macht ihn in den Stand zu setzen vermöchte, diesen Angriffen erfolgreich entgegenzutreten, so ließ er sich 1451 von den Ständen des Landes die Raung 1 als Kurfürst auf Lebenszeit mit der Bedingung übertragen, daß er sich nie standesgemäß vermählen und seinen Neffen Philipp als Sohn und Nachfolger annehmen wolle. Der Papst Nikolaus V., sowie mehrere kleinere deutsche Fürsten erkannten F. in seiner neuen Würde sogleich an, auch die Kurfürsten nahmen ihn nach einigen Unter andlungen 1461 in den Kurverein auf. Dagegen widersprach Kaiser Friedrich III. und erklärte, obgleich um seine Einwilligung ausdrücklich gebeten, den willkürlichen Schritt für 4 und strafbar, während zu gleicher Zeit die zum kurfürstl. Präcipuum gehörigen Städte der Oberpfalz den Gehorsam verweigerten. Aber bald brachte 8 die letztern durch Gewalt der Waffen, indem er durch einen plößtzlichen überfall Amberg eroberte, zur Unterwerfung. Auch besiegte er die stets —1½ gesinnten lützelsteiner Grafen und vereinigte ihre Grafschaft mit der Pfalz, demütigte den Herzog von Veldenz und verglich sich mit Baden und Kurmainz zum Frieden. Inzwischen war in Mainz ein neuer Erzbischof, Dietrich von Isenburg, gewählt worden, dem jedoch der Papst Pius II. das Doppelte der Annaten und Palliengelder auferlegte und zur Pflicht machen wollte, die Kurfürsten nur mit seiner Bewilligung zu gemeinschaftlichen Verabredungen zu berufen. Als Dietrich sich dessen weigerte, setzte der Papst ihn ab und ernannte Adolf von Nassau zum Erzbischof. Während nun Dietrich bei dem Kurfürsten F. und dem Herzoge Ludwig von Bayern Hilfe suchte und fand und sich auf diese Weise fortdauernd behauptete, schickte der Kaiser Friedrich III., der sich in allen Dingen dem Papste unterthänig erwies, nachdem er die Reichsacht über F. ausgesprochen, ein Heer unter dem brandenb. Kurfürsten Albrecht Achilles gegen denselben; auch wußte er den Grafen Ulrich von Württemberg, den Markgrafen Karl von Baden und den Bischof Georg von Metz zur Teilnahme an dem Kampfe gegen Dietrich und dessen Bundesgenossen zu gewinnen. Dieser sog. Pfälzerkrieg hatte anfangs für F.s Gegner einen sehr aamstigen Erfolg, bis es F. gelang, sie bei Seckenheim 1462 zu schlagen und Ulrich, Karl und Bischof Georg gefangen zu nehmen. Mit schwerem Lösegelde und mit Abtretung mancher Bezirke mußten sie sich loskaufen und noch überdies versprechen, den Kurfürsten mit dem Papste und dem Kaiser auszusöhnen. Auch der Erzbischof Dietrich verpfändete aus Dankbarkeit für den kraftvollen Beistand F. einen Teil der Bergstraße, der erst durch den Westfälischen Frieden wieder an Mainz kam. Der Kaiser aber war jeder Aussöhnung mit F. entgegen, verlangte vielmehr, da Herzog Philipp unterdessen herangewachsen war, daß diesem die Regierung übergeben werden sollte. Nichtsdestoweniger blieb F. im ungestörten Besitze der Regierung, um so mehr, da sein Neffe, mit welchem er in dem besten Vernehmen lebte, nicht die Absicht zeigte, ihn aus derselben zu verdrängen. Dagegen hielt F. auch sein gegebenes Wort, sich nie standesgemäß zu verheiraten; nur zur linken Hand ließ er sich eine schöne Bürgerstochter aus Augsburg, Klara Dettin, antrauen, die er zum Fräulein von Dettingen erhob. Aus dieser Ehe entsprossen zwei Söhne, Friedrich und Ludwig, die er mit Privatbesitzungen ausstattete und von denen der letztere der Stammvater der heutigen Fürsten und Grafen von Löwenstein wurde. F. starb, nachdem er das Kurfürstentum ansehnlich vermehrt hatte, 12. Dez. 1476; ihm folgte in der Regierung sein Neffe Pilipy der Edelmütige. Vgl. Kremer, „Geschichte des Kurfürsten F. I. von der Pfalzo (2 Bde., Frankf. 1765); 4Quellen und Erörterungen zur bayr. und deutschen Geschichtes, Bd. 2 u. 3: «Quellen zur Geschichte F.s des Siegreichend (Münch. 1857—63); Roder, «Die Schlacht bei Seckenheim (Villingen 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 345Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6