Gauner einen Menschen, welcher Betrug, Diebstahl, Falschmünzerei, Raub oder anderweitige Vermögensbeschädigung gewerbsmäßig und nach bestimmten Regeln und Kunstgriffen betreibt. Die erste Darstellung des Gaunerwesens ist in dem baseler Ratsmandat (aus dem 15. Jahrh.) enthalten, aus welchem das mit Sebastian Brants Rarrenschiffes in Zusammenhang stehende Liber Vagatorump hervorgegangen. Letzteres Buch erlebte bis ins 17. Jahrh. hinein mehr als 30 Auflagen, unter welchen die von Luther 1528 unter dem Titel Von der falschen betlerbübereys herausgegebene besonders zu erwähnen ist. Ferner verdienen die schon seit dem 14. Jahrh. zum Vorschein gekommenen, sehr vereinzelten, immer sehr spärlichen und dürftigen Aufzeichnungen von Gaunervokabeln und kleinen Notizen, wie die des Kanzlers Dithmar von Meckebach (im 14. Jahrh.) und des züricher Ratsherrn Gerold von Edlibach (im 15. Jahrh.), Erwähnung. Das Gaunertum war eine allgemein europ. Erscheinung, die als Objekt des Gaunerromans vornehmlich in Spanien (picarillo) verwertet wurde. Seit dem Dreißigjährigen Kriege, in welchem das Räuber⸗ und Gaunerwesen in Deutschland seine höchste Blüte erreichte, mehren sich mit den blutigen Kriminalprozessen die dansaaleseiner bis endlich Schäffer kurz nach Herausgabe seiner Biographie des Constanzer Hanso (1789) in seinem Abriß des Jauner- und Bettelwesens in Schwaben» (1793) die erste und in der That meisterhafte Darstellung des Gaunertums gab. Eine andere auf die Zeit von 1789 bis 1804 beschränkte Darstellung gab Becker in seiner Aktenmäßigen Geschichte der Räuberbanden an beiden n des Rheinso. Eine kleine, sehr geistvolle und wichtige Arbeit lieferte später Rebmann in Damian Hessel und seine Raubgenossen) (1811), eine ähnliche Grolman in der Schrift 4Aktenmäßige Geschichte der vogelsberger und wetterauer Räuberbanden » (1813). Die erste ausführliche Geschichte des Gaunertums, sowie rr Litteratur, Kunst und Technik gab Avé-Lallemant in dem Werke «Das Deutsche Gaunertum in seiner sozial-polit., litterarischen und linguistischen Ausbildung zu seinem heutigen Bestander (4 Bde., Lpz. 1858—62). Neuere Erscheinungen des Gaunerwesens liefert das großstädtische Leben in Gestalt der in Banden organisierten Falschspieler (sog. Bauernfänger). über die Gaunersprache s. Rotwelsch.