Gefängnis, n., frz. geole, prison, f. engl. jail, prison, ital. carcere, priggione, span carcel, prision, calabozo, lat. carcer, griech. αααααον (Kerker). Vom Standpunkt des Juristen aus würde man Gefängnisse eintheilen in Polizeigefängnisse, Untersuchungsgefängnisse und Strafgefängnisse, letztere wieder in Schuld⸗ oder Wechselhaftslokale, Arbeitshäuser, Zuchthäuser, Besserungsanstalten, Festungssträflingskasernen etc., od. auch vielleicht einfacher in Detentionshäuser und Korrektionshäuser. G.e, die zugleich eine körperliche Marter der Gefangenen ausmachen, sind jetzt nicht mehr in Gebrauch. Dahin gehörten die beiden unteren Geschosse, caroer inferior u. carcer interior, der dreigeschossigen römischen G.e, dahin die matamaoros der Spanier, dunkle, feuchte, eisternenartige Räume, dahin die Burgverließe, Hungerthürme und Aufhängekäfige des deutschen Mittelalters, die Bleikammern und Pozzi in Venedig etc. Jetzt betrachtet man das Gefangensetzen nicht mehr blos als Strafe, sondern als Mittel, die Verbrecher für die Gesellschaft unschädlich zu machen und zu bessern; dazu ist aber körperliches Wohlsein derselben nöthig. In Bezug auf die verschiedenartigen Einrichtungen kann man die Gie in der Hauptsache eintheilen: 1. in solche mit gemeinschaftlichen Arbeitssälen, wo auch mehrere Gefangene in einem Raum zusammen schlafen. Man nennt dieses System auch wohl das Massachusettssystem; 2. in solche für Einzelhaft, nach dem älteren pennsylvanischen System, auch Isolirsystem od., wenn ohne Arbeit, Pönitentiärsystem gen. Ein solches ward zuerst 1790 in Philadelphia gebaut. Es bestand aus lauter einzelnen Zellen, Gefüngniszellen, frz. cachots, worin die Gefangenen sowohl schlafen als arbeiten; an jede Zelle grenzte ein Höfchen zum Luftschöpfen. Die Anlage war natürlich sehr kostspielig. —Es folgte nun 3. das Auburnsche System, so benannt nach dem G. zu Auburn, 1823 erbaut. Hier sind die Gefangenen nur des Nachts isolirt, den Tag über zur Arbeit vereinigt, ebenso bei den Spaziergängen, müssen aber schweigen. — 4. Das neuere pennsylv. System, 1829 in Philadelphia eingeführt, mit Sonderung der Gefangenen bei Tag u. bei Nacht, aber mit Arbeit. Danach hat sich die Eintheilung zu richten, jedenfalls aber muß man dieselbe so treffen, daß sie leicht und schnell übersehen und demzufolge leicht kontrolirt werden können. Eine Zeit lang galt der Kreisplan od. Schachtelbau für das Beste. Das G. ist mit einer Mauer umzogen, an welcher sich die Beamtenwohnungen etc. anlegen, während die Zellen um den Mittelhof, Schacht gen., gereiht sind. Der von Georges Ainslie statt dessen em pfohlene Strahlenbau, Radialplan, strebt noch nach besserer Uebersicht und zugleich Verhinderung des Korrespondirens zwischen den Gefangenen. Am besten erreicht man dies durch lange Korridors, welche sternförmig von einem polygonen Vestibül ausgehen. Macht man nun diese Korridors sehr breit, läßt sie durch alle Etagen hindurch gehen, versieht sie oben mit Glasdach und an den Zellen hin mit eisernen durchbrochenen Balkons, so kann man dann von einem Punkte aus die sämtlichen Zellen durchgängig übersehen, und zugleich gewährt solche Einrichtung den Vortheileiner guten Lufteirkulation u. ziemlicher Feuersicherheit. Beispiele folcher Anlagen s. Fig. 1837 u. 1838. Heizen kann man die Gie mit erhitzter Luft od. warmem Wasser; s. darüber d. Art. Heizung. Bei klei-Beamtenwohnungen, mache man mindestens 1837. Zellengefängnis zu Bruchsal, erbaut 1848. darf ebenfalls nicht fehlen; bei Einzelhaft treten an seine Stelle sternßörmige Gruppen kleiner Höfe, s. Fig. 1837. Uebrigens sind die Einrichtungen, wie gesagt, verschieden, und muß man darüber die Angaben der Behörde befolgen, welche das G. bauen läßt. Der Charakter des Gebäudes sei Ernst, Festigkeit und Würde, ja er kann sogar ins Düstere übergehen. Bei der Konstruktion sehe man bes. auf Festigkeit u. Unmöglichmachung des Ausbrechens, sowie auf möglichst vollständige Feuersicherheitre. Arresthäuser, Korrektionshäuser, Fronfesten etc. werden mit wenigen Modifikationen nach denselben Grundsätzen ausg eführt.