FeedGoliarden
ReligionBrockhaus 1882

Goliarden, so nach einem angeblichen Bischof Golias als dem Stifter ihres Ordens genannt, sind im allgemeinen zu den Vaganten (s. d.) und überhaupt fahrenden Leuten des Mittelalters zu ählen, welche seit dem 12. Jahrh. zunächst in Frankreich, dann auch in England und Deutschland im kirchlichen und sozialen Leben in eigentümlicher Weise sich bemerklich Kirchen Geistliche, ordiniert ohne ein bestimmtes Kirchenamt zugewiesen zu erge fungierten herumziehend für andere Geistiche als Stellvertreter, versahen besonders die geistlichen Geschäfte als Burgkapläne, ließen sich indessen auch zu andern Verrichtungen minder ihrem Stande angemessen gebrauchen, suchten und fanden mit ihren Liedern und sonstigen Künsten an weltlichen und geistlichen Höfen gastliche Aufnahme und standen schließlich auf der Stufe der häufig mit ihnen verbundenen fahrenden Schüler und wandernden Sänger. Eine Sammlung ihrer, in lateinischen, meist gereimten Versen verfaßten Lieder (Carmina burana) gibt der 16. Bd. der Publikationen des Litterarischen Vereins in Stuttgart. Der Inhalt derselben ergeht sich im Preise der Weltfreuden oder in scharfer Satire der Zeitgebrechen. Vgl. Giesebrecht, KÜber die Vaganten oder G. und ihre Liederv, in der Allgemeinen Monatschrifto (Braunschw. 1853); Büdinger, alüber einige Reste der Vagantenpoesie in Osterreichh (Wien 1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 178Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6