FeedGewächshänser
PflanzenreichBrockhaus 1882

Gewächshänser sind Gebäude zur Zucht und Aufbewahrung von Gewächsen, welche aus wärmern Klimaten in kältere Zonen eingeführt worden sind und dort des Schutzes gegen die Kälte bedürfen, wie die der tropischen Zonen selbst im Sommer einer Wärme, welche höher ist als die Sommertemperatur der kühlern Zonen. Diese r ur müssen daher für die kältere Jahreszeit oder für ihre ganze Lebenszeit in eigens für sie eingerichteten Häusern untergebracht werden. Die G. sind verschieden in Form und Größe, bisweilen wahre Monumentalbauten. Man unterscheidet eigentliche G. und Orangerien. Zu ihrer Herstellung verwendet man Stein, Eisen, Holz und Glas. In der Orangerie finden im Winter Gewächse Schutz und Pflege, welche im Sommer in Kästen, Kübeln und großen Töpfen im Freien gehalten werden. Sie ist aus Steinen erbaut, gegen Süden gelegen und mit vielen großen Fenstern versehen, um den Pflanzen eine möglichst große Lichtmenge zu sichern. Ist der Winter mild, so ist man der künstlichen Erwärmung des überwinterungsraums überhoben, andernfalls erwärmt man ihn durch Ofen, deren Röhren über dem Boden weg am Mauerwerk hinlaufen. Man heizt aber nur bei starker Kälte, um eine Temperatur von einigen Graden über dem Gefrierpunkt zu erzeugen oder wenigstens ihr Zurückgehen unter denselben zu verhüten. Der Name Orangerie weist auf die ursprüngliche Bestimmung eines Gewächshauses solcher Art hin, die Orangenbäume während des Winters gegen Frost zu schützen. Nach und nach hat eine große Anzahl von Gewächsen, deren Temperament mit dem der Orange übereinstimmt, hier Aufnahme gefunden. In den eigentlichen Gewächshäusern, je nach ihrer Bestimmung auch temperierte oder Warmhäuser u. s. w. genannt, werden die für sie bestimmten Pflanzen das ganze Jahr hindurch unterhalten. Sie müssen viel heller sein als die Orangerie, und ihre Temperatur immer höher als die der Luft im Freien, s elbst im Sommer; sie müssen somit den in ihnen untergebrachten Pflanzen ein künstliches Klima schaffen, welches dem heimatlichen so nahe kommt wie möglich. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, einen Teil der Mauern durch Glaswände zu ersetzen, welche das Licht von möglichst vielen Punkten des Horizonts eindringen lassen, und für einen kräftig wirkenden Heizapparat Sorge zu tragen. Hiermit aber müssen Vorkehrungen verbunden werden, durch welche zu geeigneter Zeit die Luft erneuert werden und sogar im ganzen Hause srei cirkulieren kann, wenn die Lufttemperatur im Freien die Gefahr einer Erkältung der Pflanzen ausschließt. Da die Kosten für den Bau und die Unterhaltung eines geräumigen und hinreichend hohen Warmhauses zur Aufnahme stattlicher Pflanzen der heißen Zone, wie Palmen, Bananen u. a., sehr beträchtlich sind, so sind Bauten solcher Art nur in den Gärten der Fürsten und reicher Privatleute zu sinden. Indessen sind für die Kultur tropischer Pflanzen keineswegs kostspielige Gebäude solcher Art unbedingt notwendig, wenn man sich auf die Unterhaltung weniger stattlicher Gewächse beschränkt, wodurch aber Reichtum und Mannigfaltigkeit der hier unterzubringenden Pflanzenschätze nicht ausgeschlossen sind. G. von beschränkten Dimensionen sind deshalb überall häufig und finden sich nicht nur in Handelsgärtnereien, sandern auch in vielen Privatgärten. Als ein sehr wichtiger Fortschritt sind G. zu betrachten, in welchen ausschließlich gewisse Pflanzenlategorien desselben Temperaments kultiviert werden, Angehörige einer einzigen Familie oder Gattung oder sogar einer einzigen Spezies, wenn es sich um Kollektionen von Formen und Varietäten handelt. So hat man besondere Häuser für Orchi-Eien Caletoi Kakteen Eriken, Kamelien, Pelargonien, kollektionen. Mit Glaswänden versehene und künstlich zu erwärmende Häuser unterhält man auch für manche Nutzpflanzen, insbesondere für solche, welche wegen ihrer köstlichen Früchte kultiviert werden. Sh0n seit länger als einem Jahrhundert widmet man Häuser solcher Art der Kultur der Ananas, und in den Hauptstädten Europas, insbesondere Englands, ri sich daraus eine blühende und gewinnreiche —— trie entwickelt. Auch den Weinstock, den Pfirsich⸗, den Aprikosen⸗, den Feigenbaum u. a. unterhält man in G. da, wo das Klima nicht warm genug ist, um die Früchte zur vollen Reife zu bringen. Selbst in denjenigen Breiten, in denen diese Früchte im Freien ihre vollständige Reife erlangen, erzieht man sie nicht selten in Obsthäusern, um sie um einige Wochen früher, selbst mehrere Monate vor ihrer natürlichen Reifezeit zu haben. In der Sprache der Gärtner wird eine I1 Kultur Treibkultur genannt. Werden diese Treibereien gut eingerichtet und unterhalten, so stehen hier geerntete Früchte nach Schönheit und Güte denjenigen nicht nach, welche außerhalb der G. zur Reife kommen, und sind jenen sogar häufig an vollkommener Bildung, an Kolorit und Schmackhaftigkeit überlegen. Als „OSvelchedeen deltimrnt bezeichnet man diejenigen G., welche dazu bestimmt sind, die Vermehrung der Pflanzen durch Aussaat,‚, Stecklinge und Veredlung zu erleichtern und zu beschleunigen. In diesen ist jeder Luxus ausgeschlossen. Sie sind meistens bloß aus Holz konstruiert und niedrig, um die Wärme besser zusammenzuhalten bisweilen selbst zur Hälfte in die Erde eingebaut. Lehnen sie sich an eine Mauer, so haben sie natürlich bloß eine einseitige Glasbedachung (Pultdach), in welchem Falle es sehr wünschenswert ist, daß sie gegen Süden gelegen sind. Steht das Vermehrungshaus frei, so gibt man ihm ein zweiseitiges Glasdach (Satteldach). Im Innern richtet man je nach der Breite des Hauses ein oder zwei Beete her, welche einerseits durch die Umfassungsmauer, andererseits durch eine Ziegelmauer von etwa Im Höhe getragen werden und nur ebenso viel Raum zwischen sich lassen, daß der Gärtner sich bewegen kann. Diese Beete sind mit Sand, Lohe oder Kokosabfall gefüllt, bisweilen noch besonders mit Glas bedeckt, immer aber von einer oder mehrern Wärmeleitungsröhren durchzogen, welche dem Rokrenlaufe die nötige Wärme zuführen. Andere Röhren laufen längs den Wänden hin und erwärmen die Luft. In das Füllmaterial werden die Schalen oder Töpfe mit Samen, Stecklingen, jungen Pflanzen u. s. w. eingesenkt. Diejenigen Pflanzen aber, welche zu ihrer Entwickelung ein geringeres Maß von Wärme erfordern, erhalten ihren Platz auf den an den Wänden angebrachten Brettergestellen. Diese Vermehrungshäuser können je nach den Bedürfnissen in jedem beliebigen Maßstabe konstruiert sein und sich sogar auf einen bloßen mit Glas bedeckten Kasten reduzieren, welcher durch die Fermentation des Mistes unter dem Erdbeete erwärmt wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 935Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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