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Sitten & ModeBau-Lexikon 1881

Kachel, f. 1. Eigentlich (griech. 1hιπ, lat. Caucellus, mittelalt.⸗Lat. Coομla) jedes hohle Gefäß. — 2. Bes. (mittellat. cugnolius, ital. Coccia, poln. Kachel) Thonnapf zu Bekleidung von Oefenetc. Sie unterscheiden sich von Fliesen (s.d. 2.) dadurch, daß an ihrer Rückseite ein Rand angesetzt ist (Hals od. Rumpf); der dadurch entstehende hohle Raum wird mit kleinen Steinen u. Lehm ausgefüllt od. auch leer gelassen; der Hals erhält Löcher, durch welche Draht gezogen wird, um die Kin mit einander zu veybinden; die Räume zwischen den Hälsen werden mit Lehm ausgefugt. Ueber den Einfluß der Farbe und Glätte der Kin auf die Heizung s.d. Art. Heizung. Zugöfen bekommen auch wohl blos innen glasirte, die matte Ken heißen u den Ruß nicht haften lassen. Vor dem Glastren werden die Ken auf einem Sandstein fein abgeschliffen, welcher sich horizontal dreht. Gestreifte, gemusterte oder vertiefte, sogenannte Napfkacheln, lat. caccabus, strahlen mehr Wärme aus als ganz glatte. Oefen aus Napfkacheln werden schon 644 in den Gesetzen des Rotaris erwähnt. Im Mittelalter waren sie fast nie glatt u. stets dunkel glasirt; jetzt liebtman mehr die weißen. Nicht jeder Thon eignet sich zu Fabrikation der Ken, auch nicht jede Glasur, da diese selbst bei bedeutender Steigerung der Hitze keine Flecke und Sprünge bekommen darf. In neuester Zeit haben sich ziemlich konsequente Mäße für Kin durch den Gebrauch festgestellt. Man unterscheidet a) einseitige Kacheln, unter diesen wieder Plattkacheln oder Tafel kacheln, frz. Carrean de brique glacée, engl. duteh tile, etiwa 20 cm. breit, 23 em. hoch, oder 23 em. im , und Napfkacheln; b) Eckkacheln, zwei⸗ und dreiseitige, an den Ecken des Ofens zu verwenden; die zweiseitigen sind meist auf sbibliothe Heidelberg I 0 hoch; e) Gesimskacheln, die das Haupt-od. Fußgesime bilden, die kleineren heißen Leistenkacheln; d) Frieskacheln, die den Fries oder Zwischenraum zwischen zwei Simsen bilden, sind in der Regel 10—15 em. hoch. Kän einer Sorte müssen genau gleiche Größe haben, um die Schichten in gerader Linieverbandmäßig stellen zu können. — 3. K., schwäb. Provinzial. für Ofenröhre, Kochröhre.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 131Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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