FeedGhiberti (Lorenzo)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Ghiberti (Lorenzo), einer der berühmtesten Plastiker des 15. Jahrh., wurde zu geboren, lernte früh von seinem Stiefvater Bartoluccio, einem geschickten Goldschmied, Zeichnen, Modellieren und die Kunst, in Metall zu gießen, und Ciarspäter wahrscheinlich Zeichenunterricht bei Starnina. Gegen Ende des 14. Jahrh. mußte er der Pest wegen Rioreu verlassen. Während er um das J. 1401 zu Rimini in dem Palast Pandolfo Malatestas mit der Ausführung eines Frescogemäldes beschäftigt war, forderten die Prioren der Handelsunft zu Florenz alle Bildgießer wegen eines Moells zu einer bronzenen Thür des aptisteriums San-Giovanni zu einem Wettstreit auf. Das Probestück G.s, Abrahams Opfer, ist im Museum des Bargello in Florenz noch erhalten. Brunelleschis, Donatellos und G.s Arbeiten wurden von den Richtern als die vorzüglichsten erkannt, und freiwillig räumten die beiden erstern G. den Vorzug ein. Zu Ende 1403 begann er die Arbeit, die er erst im April 1424 beendigte; im Januar folgenden Jahres wurde ihm die Thür mit den Geschichten der Genesis übertragen, die er im Aug. 1447 vollendete, woraus er mit seinem Sohne Vittorio die reiche Einrahmung ausführte, welche im Juni 1452 aufgestellt wurde. Auch lieferte G. dann noch eine andere Thür mit der Geschichte Jesu und der Apostel, welche jedoch freier und weniger im 7½% Charakter als die ersten komponiert Michel Angelo sagt von diesen Thüren G.s, daß sie den Eingang des Paradieses zu schmücken wert seien. Gleichzeitig arbeitete G. einen Johannes den Täufer für die Kirche Or San-Michele, zwei Basreliefs für die Taufkapelle des Doms von Siena, die Statuen des Matthäus und des heil. Stephanus, ebenfalls für Or San-Michele, und für den Dom den bronzenen Reliquienkasten des heil. Zenobius. Alle diese Werke sind noch vorhanden und geben von der Entwickelung des Meisters ein anschauliches Bild. Reinheit der Umrisse, hohe Anmut der Gestalten, eine Ornamentik ohnegleichen machen ihn zu einem der ersten Künstler des 15. Jahrh., aber in seinen Reliefs ist Mal⸗ die Grenze erreicht, welche das Plastische vom alerischen scheidet. Auch in der Glasmalerei hat G. treffliche Arbeiten geliefert, namentlich für die Kirche Or San-Michele und den Dom. Überdies ist von ihm ein Werk über die Bildhauerkunst vorhanden, aus dem Cicognara und die neueste florentin. Ausgabe des Vasari einen Teil mitgeteilt hat. G. starb 1455. Seine Thüren, in 12 schönen Umrissen geätzt, gab Feodor Iwanowitsch 1798 heraus, später G. P. Lasinio. Hagens Künstlergeschichten, oder die Chronik seiner Vaterstadt vom Florentiner Lorenz G. (2 Bde., A 1833; 2. Aufl. 1861) sind ein gut geschriebener Roman, in welchem die bei Vasari und andern zerstreuten Nachrichten zu einem Ganzen verbunden wurden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 13Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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