Gildemeister (Joh.), namhafter Orientalist, geb. zu Bremen 20. Juli 1812, studierte zu Göttingen und Bonn Theologie und unter Ewald, Lassen und Freytag orient. Sprachen und lebte dann behufs Benutzung der andschriftenbibliotheken ein Jahr in Paris und Leiden. Nachdem G. sich 1839 zu Bonn als Privatdocent für orient. Sprachen und Litteratur habilitiert hatte, wurde er 1844 zum außerord. Professor daselbst ernannt, 1845 als ord. ½ der orient. Litteratur nach Marburg berufen und 1848 ihm die Stellung als Universitätsbibliothekar daselbst übertragen. Seine Vorlesungen erstreckten sich auf das Alte und teilweise auf das Neue Testament und auf die semitischen und die indogerman. Sprachen. Im J. 1859 wurde er als ord. Professor für die genannten Disciplinen nach Bonn berufen. Von Gis wissenschaftlichen Arbeiten ist zu erwähnen „Bibliothecae Sanscritae specimeno (Bonn 1847); ferner gab er Kalidasas Meghadutav und „Cringaratilaka o (Bonn 1841) heraus. Von Lassens Antnologia sanscritica veranstaltete er eine neue Ausgabe (2. Aufl., Bonn 1865). An den kirchlichen Wirren der vierziger Jahre nahm er lebhaften Anteil, wie seine Schrift Der heilige Rock zu Trier (Düsseld. 1845) beweist, sowie er auch in den durch Vilmar erregten theol. Streitigkeiten durch sein „Gutachten der theol. Fakultät zu Marburg über die hessische Katechismus⸗ und Bekenntnisfrages (Marburg 1855) mit verwickelt war.