FeedGrundtvig (Nikolai Frederik Severin)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Grundtvig (Nikolai Frederik Severin), ein als Dichter, Historiker und Theolog ausgezeichneter Däne, geb. 8. Sept. 1783 zu Udby bei Vordingborg auf Seeland, wo sein Vater Pfarrer war, besuchte das Gymnasium zu Aarhuus, studierte 1800—3 in Kopenhagen Theologie, war dann Hauslehrer, hierauf Lehrer in Kopenhagen. In diese Zeit fallen seine ersten bedeutendern litterarischen Arbeiten, KNordens Mythologiev (Kopenh. 1808) und das geniale episch-dramatische Werk „Optrin af Kämpelivets Undergang i Norden⸗ (2 Bde., Kopenh. 1809—11; 2. Aufl. 1861). In den J. 1811 — 13 vikarierte er bei seinem Vater, und in den nächstfolgenden Jahren predigte er öfter in Kopenhagen mit steigendem Beifall. Dabei entwickelte er eine ungemein rege und vielseitige litterarische Thätigkeit. Es erschien sein Kort Begreb af Verdens Krönike i Sammenhängo (Kopenh. 1812), welcher eine bedeutende Bewegung in Dänemark hervorrief; ferner 4Kvädlinger » (1815), eine Sammlung patriotischer Poesien; Roeskilde-Riimv (1814), eine poetische Verherrlichung der dän. Geschichte nach den Sagen und Saxo; endlich die übertragung des Saxo und des Snorre (6 Bde., 1818 — 22). Im J. 1821 wurde er Prediger in Prästöe, 1822 zweiter Prediger an der Erlöserkirche in Kopenhagen. Seine frühern Vorträge erschienen in der Sammlung «Bibelske Prädikener efter Tidens Tarv og Leilighed » (1816); eine spätere veranstaltete er unter dem Titel «Christelig Söndagsbogo (3 Bde., 1827— 30; 2. Aufl. 1859). Durch seinen «Kirkens Gjenmäle mod Professor Clausen » (1825) zog er sich eine Anklage von seiten des letztern zu, die ihn veranlaßte, 1826 seine Stelle niederzulegen. In dieser Zeit begründete er mit Rudelbach die Theologisk Maanedsskrifto (13 Bde., 1825—28). Außer der Veröffentlichung seiner kleinern histor.⸗poetischen Arbeiten „Kong Harald og Ansgaro (1826) und «Krönikeriimop (1829; neue Auflagen 1842 und 1875) beschäftigte ihn damals eine zweite Bearbeitung von Nordens Mythologied (Kopenh. 1832), welcher ein ausführliches KHaändbog i Verdenshistorieno (Oldtiden og Middelalderenv, 2 Bde., 1833—37; Nyvaars-Tideno, Bd. 1 u. 2, 1842—44) folgte. Ferner erschien von ihm «Sangvärk til den danske Kirker (Bd. 1—5, 1837—81), eine Sammlung geistlicher Lieder, und KNordiske Smaadigte (1838), worin er auf nordisches Helden⸗ und Sängerleben Bezügliches zusammenfaßte. Seit 1839 Prediger am Hospital Vartou in Kopenhagen, beteiligte er sich auch an dem polit. Leben, besonders als Mitglied des grundgesetzgebenden Reichstags und des Folkething. Er stand hier meist auf seiten der demokratischen Opposition. In der Angelegenheit der Herzogtümer bewies er sich als heftiger Gegner Deutschlands, obschon sich später seine Ansicht gemäßigter gestaltete, wie die Schrift Die Versöhnung mit Deutschlando (1861) bewies. Eigentümlich sind G.s theol. und kirchliche Anschauungen. Hiernach bilden die Sakramente den Mittelpunkt des Gottesdienstes, und das apostolische Symbolum, die Sakramentworte und das Datermnser, als durch Tradition von Christus auf uns gekommen, sind die einzige wahre und unabänderliche Grundlage der christl. Kirche. (gl. Hansen, „Wesen und Bedeutung des Grundtvigianismusv, Kiel 1863.) Das Organ G.s und seiner Anhänger ist die (Danske Kirketidende, in welcher er für die sog. Volkskirches und für die (1855 erfolgte) Aufhebung des Gebundenseins der Gemeinde an den Ortspfarrer kämpfte. Im J. 1856 begründete er zu Marielyst bei Kopenhagen eine «Volkshochschulev in seinem Sinne; 1861 erhielt er den Rang eines Bischofs. Er starb 2. Sept. 1872 zu Kopenhagen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 567Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6