Grüneberg (Herm. Jul.), namhafter Industrieller, geb. 11. April 1827 in Stettin, widmete sich anfangs der Pharmacie, studierte später Naturwissenschaften in Berlin und Paris und war dann in einer chem. Fabrik Pommerns thätig. Das von ihm hier erfundene Verfahren der Bleiweißfabrikation wurde von Amerikanern weiter ausgebildet und zehn Jahre nachher als das sog. amerikanische Verfahren in Deutschland eingeführt. Er selbst wurde durch seine Erfindung veranlaßt, eine derartige Fabrik in Gothenburg und später bei Stettin anzulegen. Während des Krimkriegs betrieb er bei Stettin die Fabrikation von Kalisalpeter aus Pottasche und für den Bedarf der russ. Regierung, deren Hauptfabrikation diejenige des Kalisalpeters war; 1858 gründete er in Kalk bei Deutz mit dem Kaufmann J. Vorster eine chem. Fabrik unter der Firma Vorster u. Grüneberg; 1861 errichtete diese Firma behufs Beschaffung ihres Rohmaterials in Staßfurt ein Etablissement zur Fabrikation von Chlorkalium, welch letzteres von da an, zu Pottasche verarbeitet, und an Stelle der Schlempekohle zur Umsetzung des Chilisalpeters in der kalker Fabrik Verwendung fand. G. war es, der die Fabrikation von Pottasche aus Kaliumsulfat, dem Produkt der Tehluel Abraumsalze, mit Zugrundelegung des Leblancschen Sodabildungsprozesses in die Praxis einführte, womit der erste Schritt zur Beschränkung der Gewinnung der Pottasche aus Holzasche gethan war. CEbenso hat er wesentlich dazu beigetragen, der rationellen Verwertung der Abfallsalze als Düngmittel in der Landwirtschaft Eingang zu verschaffen. Mehrere Broschüren über Kalidüngung, sowie die erste farbige Düngertafelo wurden 1864 — 70 von ihm veröffentlicht. Die Einführung der Kalidüngsalze veranlaßte die Darstellung anderer künstlicher Düngmittel, besonders von Superphosphaten in den kalker Werken, den Betrieb von Phosphoritgruben an der Lahn und die Darstellung schwefelsauren Ammoniaks aus Gaswasser; der von G. konstruierte Ammoniak-Destillationsapparat findet im In⸗ und Auslande Anwendung.