FeedGubitz (Friedr. Wilh.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Gubitz (Friedr. Wilh.), ein vielseitig gebildeter Künstler und Schriftsteller, geb. 27. Febr. 1786 zu Leipzig, wandte sich der Holzschneidekunst zu, welche er unter Mitwirkung seines Vaters, des als Stahlschneider ausgezeichneten Johann Christoph (geb. 20. Nov. 1754 zu Heinrichs bei Suhl, gest. 17. Juni 1826 zu Berlin) wesentlich vervollkommnete. Bereits 1805 wurde er Mitglied der Akademie zu Berlin und Professor der Holz- und Formschneidekunst an derselben. Infolge der Katastrophe von 1806 seines Gehalts beraubt, sah er sich genötigt, die schriftstellerische Laufbahn zu betreten, gab 1807—9 die Zeitschrift Das Vaterlando (auf dem Umschlage «Feuerschirmes genannt) heraus, ward aber den franz. Machthabern verdächtig und kam in kriegsgerichtliche Untersuchung, die für ihn eine fünfwöchentliche Haft zur Folge hatte. Nach 1814 widmete er sich wieder der Holzschneidekunst, in der er immer Ausgezeichneteres lieferte. In seinen Mußestunden entstanden einige dramatische Arbeiten, wie Lieb' und Friedex, KHans Sachs, oder Dürers Festabendo und «Talentproben, die mit andern Stücken als «Theaterspieles (2 Bde., Berl. 1815—16) gesammelt erschienen. Seit 1817 gab er die Zeitschrift Der Gesellschaftero heraus, dessen Titel er Ende 1848 in den zwanglos erscheinenden «Volksgesellschaftero verwandelte. Daneben besorgte er seit 1823 für die Voßsche Zeitunge die Theaterkritik. In der Folge veröffentlichte er noch mehrere Schau-⸗ und Lustspiele, sowie Sammlungen seiner „Gedichtes (2 Bde., Berl. 1860) und seiner Erzählungen (Wirklichkeit AZeit fallen die 4 Bde., Berl. 1862). In frühere Zeit fallen die (Gaben der Mildes (4 Bde., Berl. 1818). Im J. 1822 begründete er das Jahrbuch der deutschen Bühnenspieler, das mit dem Jahrgang 1866 seinen Abschluß fand, und 1835 das Jahrbuch des Nützlichen und Unterhaltendeno sowie den Deutschen Volkskalendero (Berl. 1835—69). Letzterer erwarb G. den Ruf eines der besten deutschen Volksschriftsteller und wurde Vorbild einer Menge ähnlicher Unternehmungen. Als Holzschneider gehörte G. zu den Koryphäen seiner Kunst. Auch war er Besitzer der 1822 gegründeten Vereinsbuchhandlung in Berlin. G. starb zu Berlin 5. Juni 1870. Interessant sind seine vor seinem Tode veröffentlichten Erlebnisse. Nach Erinnerungen und Aufzeichnungen (3 Bde., Berl. 1869). — Auch sein Sohn, Anton G., geb. 25. Nov. 1821, gest. 3. Dez. 1857, war als Journalist und Schriftsteller bekannt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 594Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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